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05.02.2014 2437
‘Erdoðan ile Barzani ayný tarikatýn müridi’

Emekli Albay Sarýzeybek, “Molla Mustafa Barzani’nin dedesi Halid-i Nakþi tarikatýndan Baþbakan Erdoðan’ýn halifesi” dedi

Gökmen ULU / sozcu.com.tr

Emek­li Al­bay Er­dal Sa­rý­zey­bek, bu­gü­ne ka­dar Do­ðu ve Gü­ney­do­ðu Ana­do­lu­’da Os­man­lý ve Tür­ki­ye Cum­hu­ri­ye­ti­’ne yö­ne­lik ger­çek­le­þen ayak­lan­ma­la­rýn “Kürt Ýs­ya­ný­” di­ye ni­te­len­di­ril­me­si­ne kar­þý çýk­tý. Sa­rý­zey­bek, son 200 yýl­dýr ya­pý­lan bü­tün is­yan­la­rýn çý­kýþ nok­ta­sý­nýn Ana­do­lu de­ðil, Sü­ley­ma­ni­ye, Er­bil, Þem­din­li üç­ge­nin­de­ki coð­raf­ya ol­du­ðu­nu be­lirt­ti.

Sa­rý­zey­bek, “Ýs­yan­la­rý 8 ai­le dü­zen­le­di. Hep­si­nin bað­lý ol­du­ðu ce­ma­at Ha­lid-i Nak­þi Ta­ri­ka­tý­” de­di. Sa­rý­zey­bek, Baþ­ba­kan Tay­yip Er­do­ða­n’­ýn, Me­sud Bar­za­ni ve Þi­van Per­ve­r’­i bir­lik­te Di­yar­ba­ký­r’­da aðýr­la­dý­ðý­ný ha­týr­lat­tý. O gün Er­do­ða­n’­ýn Tür­ki­ye­’ye kar­þý çok sa­yý­da ayak­lan­ma çý­kar­tan Me­sud Bar­za­ni­’nin ba­ba­sý Mol­la Mus­ta­fa­’ dan öv­gü ile söz et­ti­ði­ni be­lirt­ti. Sa­rý­zey­bek, “Çün­kü Er­do­ðan ve Bar­za­ni ay­ný ce­ma­at­ten. Mol­la Mus­ta­fa­’nýn de­de­si, Tay­yip Er­do­ða­n’­ýn bü­yük ha­li­fe­si­” de­di.
Kimler var kimler!

Sa­rý­zey­bek, Er­do­ða­n’­ýn ya­ný­sý­ra, Tur­gut Özal, Nec­met­tin Er­ba­kan, Ab­dul­lah Gül ve Bü­lent Arýn­ç’­ýn da bu ce­ma­atin Ýs­tan­bu­l’­da­ki Gü­müþ­han Evi Tek­ke­si­’ne bað­lý ol­duk­la­rý­ný söy­le­di. Sa­rý­zey­bek þöy­le ko­nuþ­tu: “A­na­do­lu­’da Kürt Ýs­yan­la­rý­” de­mek hem Türk ta­ri­hi­ne, hem de ken­di­ni et­nik Kürt kim­li­ði ile ta­ným­la­yan in­san­la­rý­mý­za say­gý­sýz­lýk­týr. Bin yýl­dýr bir tek Türk-Kürt sa­va­þý ol­ma­mýþ. Siz bu 8 ai­le­nin Türk Dev­le­ti ve Ana­do­lu­’ya yap­týk­la­rý kö­tü­lük­le­re na­sýl “Kürt Ýs­ya­ný­” di­ye­bi­lir­si­niz? Bü­yük bir hak­sýz­lýk. Kürt kar­deþ­le­ri­miz bu ger­çek­le­ri bir bil­sin, iþ­te o za­man AKP si­ya­se­ti­ni de PKK si­ya­se­ti­ni de ala­þa­ðý eder ve dev­le­ti ile ye­ni­den ku­cak­la­þý­r”

Kaynak: sozcu.com.tr ... »

25.12.2013 2436
Recep Tayyip Erdogan, der ewige Muslimbruder

Vor seinen Anhängern spricht er vom Kampf bis zum Tod, von "Leichentüchern", in die man sich wickeln lasse und davon, den Gegnern die "Hände zu brechen". Redet so ein Demokrat? Foto: AFP/Getty Images
Lange wurde der türkische Ministerpräsident als Reformer gefeiert. Der Westen wollte einfach nicht begreifen: Erdogan hatte und hat eine islamistische Agenda. Das ist sein wahres Gesicht.

Von Boris Kálnoky

Männer mit fanatisch glimmenden Blicken, in weiße "Leichentücher" gehüllt, skandieren, dass sie für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu sterben bereit sind. Es ist bestimmt keine eigene Idee.

Er selbst betont immer wieder gerne, wenn er gerade besonders umstritten ist, wie derzeit im politischen Tornado massiver Korruptionsvorwürfe gegen seine Regierung: "Wir sind in unsere Leichentücher gehüllt auf diese Reise aufgebrochen."

Und nun, am letzten Wochenende, vor den Leichentuch-Zombies: "Wir werden die Hände unserer Gegner brechen."

Welche Reise? Welche Gegner?

Von Anfang an Fundamentalist

Der Westen wollte jahrelang – mit sehr wenigen Ausnahmen – glauben, dass der von Erdogan beschriebene Weg einer zu Demokratie und liberalen Reformen war und hin zu einer Türkei, die für die muslimische Welt ein ideales Vorbild wäre. Aber braucht man dazu ein Leichentuch?

Erdogan hat seinen politischen Weg als Fundamentalist begonnen, als jemand, der mit zutiefst antiwestlichen und antieuropäischen Instinkten dem Islam nicht nur in der Türkei zum politischen Sieg verhelfen wollte, sondern überall in der islamischen Welt.

Und alles natürlich unter türkischer Führung. Denn das Leitmotiv seiner Politik war immer, dass die Türkei zu ihrer einstigen, imperialen Größe zurückfinden müsse. Es sind die am häufigsten gebrauchten Schlagwort seiner politischen Kommunikation: große Nation, große Macht.

Teuflische Juden neiden der Türkei die Macht

Und da wäre noch diese verräterische, reflexhafte Reaktion, wann immer Erdogan und ihm nahestehende Politiker wie Außenminister Ahmet Davutoglu mit Kritik konfrontiert werden: Immer ist dies das Werk ausländischer, westlicher Mächte und teuflischer Juden, die der Türkei ihre neue "Macht neiden".

Um ihre "rechtsstaatliche Demokratie" beneidet die Türkei derzeit tatsächlich niemand. Geknebelte Medien, niederschmetternde Gewalt gegen friedliche Demonstranten, politische Justiz und Polizei.

Allein in den letzten Tagen, unter dem Druck massiver Korruptionsvorwürfe, hat Erdogan die gegen Machtmissbrauch ermittelnde Polizei politisch "gesäubert", hat neue Regeln erlassen, wonach Staatsanwälte vorher der Regierung informieren müssen, wenn sie gegen diese ermitteln.

Um die Jahrtausendwende dann legte Erdogan seine politische Identität als islamisch-fundamentalistischer Brandredner ab und wurde, von einem Tag auf den anderen, prowestlich, proeuropäisch, und überzeugter Demokrat.

Nur seine Anhänger wussten immer Bescheid

Er hat nie erklärt, warum. Und es hat ihn eigentlich auch niemand danach gefragt. Gelegentlich sagte er, er habe sich gar nicht geändert. Und will damit für westliche Ohren sagen, er sei nie der gewesen, der er war. Aber für türkische Ohren signalisiert er damit, dass er immer noch derselbe ist. Seine konservativen Wähler haben das immer so verstanden.

Mit großem politischen Geschick zimmerte er im folgenden eine Koalition aus Muslimen, Linken und Liberalen, umwarb die EU, und gewann eine Wahl nach der anderen. Die Türkei profitierte davon, politisch wie wirtschaftlich. Das Land wurde zum aufsteigenden Stern in der Staatengemeinschaft und der Weltwirtschaft.

Doch das Bündnis war zweckgerichtet. Es ging darum, die Jahrzehnte hindurch wirklichen Machthaber in der Türkei auszuschalten, dito das Militär und seine informellen Strukturen im Staat. Das gelang nur, weil man es als EU-konform verkaufen konnte.

Danach aber hatte das "türkische Modell" ausgedient. Nach dem gewonnenen Machtkampf gegen das Militär, und dann ganz besonders nach seiner dritten siegreichen Wahl 2011 entschied Erdogan, dass er nun daran gehen konnte, seine eigentliche Vision zu verwirklichen.

Er entledigte sich seiner liberalen Verbündeten. Er schwächte jene Kräfte im islamischen Lager, die ihm nicht unbedingt ergeben waren, insbesondere die Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fetullah Gülen. Er wandte sich ab von der EU und versuchte, an der Spitze einer "Weltmacht"-Status beanspruchenden Türkei zum Wortführer des islamischen Welt aufzusteigen, indem er die Konfrontation mit Israel suchte.

Eine neue islamische Generation

Im Innern trieb er eine von oben gesteuerte soziale Transformation voran, hin zu einer islamischeren Gesellschaft, die er als "Demokratisierung" verkaufte. Das Bildungswesen wurde islamisiert, die Zahl religiöser Schulen stieg rapide. "Wir werden eine neue islamische Generation schaffen", sagte Erdogan.

Das war der Weg, für den man Leichentücher brauchte.

Dann kamen die Rückschläge. Die "neo-osmanische" Politik zerbrach aus denselben Gründen, aus denen einst das osmanische Reich zerbrochen war: an inneren Widersprüchen.

Der "arabische Frühling" machte aus früheren regionalen Verbündeten Feinde, gescheiterte Staaten wurden zu schwierigen Märkten für den türkischen Export. Und regionale Mächte wie Ägypten oder Saudi-Arabien wollen nicht von Erdogan geführt werden, sondern selbst Einfluss ausüben.

Im Innern zeigte die Gezi-Park-Protestwelle dieses Sommers und nun die Korruptionsaffaire, dass Liberale und Gülenisten die Regierung ins Wanken bringen können. Zudem signalisieren die USA immer wieder, dass sie Erdogans radikaleres Gesicht nicht mögen – gerade warnte Washington, dass Ankara die Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht aufs Spiel setzen solle.

Die EU bleibt gutmütig wie immer

Das sind die Gegner, deren "Hände brechen" sollen: Liberale, Gülenisten, der Westen.

Sicher, da ist viel heiße Luft, feurige Worte für den in Erdogans Augen offenbar dummen türkischen Bürger. Aber die EU und die Medien täten gut daran, endlich zu verstehen: Zu einem guten Teil kommen solche Sätze Erdogans aus tiefster Seele. Manche im Nahen Osten nennen seine Partei, die AKP, "türkische Muslimbrüderschaft".

Eine gutmütige EU kommt Erdogan jedesmal entgegen, wenn er wieder auf den Tisch haut. Es wird, trotz der polizeistaatlichen Übergriffe gegen die Gezi-Park-Protestierer, über neue Beitrittskapitel verhandelt und über eine Visafreiheit für türkische Bürger.

Das sind Trümpfe, die Erdogan im Wahlkampf präsentieren wird. Vielleicht sollte man erst die Wahlen abwarten, bevor man ihm noch mehr Geschenke in die Hand gibt. Denn die türkische Gesellschaft ist reifer als ihre Politiker, und wird sich über kurz oder lang eine "europäischere" Führung geben.

Quelle: www.welt.de ... »

12.11.2013 2435
Gezi-Proteste - Folter vor aller Augen

Ein Polizist bei der Evakuierung des Gezi-Parks in Istanbul im Juni 2013 | © Yannis Behrakis/Reuters
Geschlagen, getreten und auf ein Feuer gezerrt: Hakan Yaman wurde im Juni von türkischen Polizisten misshandelt, er leidet bis heute. Die Täter: angeblich unauffindbar.

VON MIRJAM SCHMITT

Es war an einem Montag Anfang Juni, als türkische Polizisten das Leben von Hakan Yaman und seiner Familie zerstörten. In dieser Nacht dachte Yaman, er müsse sterben, als die Polizisten auf seinen Kopf einschlugen, ihm ein Auge ausstachen und ihn dann auf einem Feuer liegen ließen. Mitten auf der Straße und wenige Hundert Meter von seinem Haus entfernt.

Vier Monate später sitzt Yaman in seinem Wohnzimmer auf der Couch und sucht nach Worten. Seine Hände liegen im Schoss gefaltet, er trägt ein blasslila Hemd. Eine Narbe am Kopf zeugt von einer Operation. Ein weiterer Eingriff steht ihm noch bevor – ob er den überlebt, weiß er nicht. Dort, wo einmal Yamans linkes Auge war, ist ein Loch, ein Hautgeschwulst liegt über der Nasenwurzel. Schaut man Yaman heute an, muss man sich anfangs fast zwingen, nicht ständig auf diese Narben zu starren, aber bald ist es ganz einfach, sich auf das andere, gesunde Auge zu konzentrieren. Dort, wo das Leben drin steckt, Mut und Entschlossenheit.

Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebt Yaman im Istanbuler Stadtteil Sancaktepe auf der asiatischen Seite der Stadt. Bis zum Gezi-Park, gegen dessen Zerstörung die Menschen im Sommer demonstrierten, sind es knapp 40 Kilometer. Mit Bus und Fähre braucht man fast zwei Stunden. Doch auch in Sancaktepe gingen die Menschen auf die Straße. Zuerst unterstützten sie die Gezi-Demonstrationen, dann protestierten sie gegen die Polizeigewalt und gegen die AKP-Regierung.

8.000 Verletzte

In der Nacht, die alles änderte, kam Yaman um elf Uhr abends von der Arbeit nach Hause. Er war Chauffeur und fuhr mit seinem kleinen Mercedes-Bus Angestellte morgens zu ihrer Firma und abends zurück. Yaman stellte seinen Bus ab und wollte nach Hause gehen. Die Straße war menschenleer, so erzählt er es, nur die Tränengasschwaden zeugten von der nahen Demonstration. Das Gas nahm Yaman die Luft. Es drang in die Lunge und brannte in Mund, Nase, Rachen und Augen. Nur verschwommen nahm er den Toma wahr, den gepanzerten Wasserwerfer der Polizei, der langsam auf ihn zurollte. Gerade als Yaman die Straße überquerte, traf ihn eine Wasserfontäne – ohne Vorwarnung. Dann flog ihm eine der großen Gaspatronen mit voller Wucht in den Unterleib. Yaman krümmte sich, die Wucht des Geschosses nahm ihm den letzten Atem. Schreien oder weglaufen konnte er nicht.

Dass die Polizei gezielt mit Plastikgeschossen und Gaskartuschen auf Demonstranten schoss, prangerte auch ein Bericht von Amnesty International Anfang Oktober an. Laut türkischer Ärztekammer wurden insgesamt knapp 8.000 Menschen bei den Protesten im Sommer verletzt, 104 erlitten schwere Kopfverletzungen, elf verloren ein Auge. Ein Polizist und fünf Demonstranten starben, drei von ihnen nach Einschätzung von Amnesty wegen exzessiver Polizeigewalt.

Durch den Nebel sah Yaman, wie eine Gruppe Polizisten auf ihn zulief. An alles, was dann passiert, erinnert sich Yaman nur noch in einzelnen, aufblitzenden Bildern, überlagert von einer großen Dunkelheit. Polizisten, die mit ihrem Schlagstock zuschlagen – schwarz – Fäuste, die auf ihn niederprasseln – schwarz – ein harter Gegenstand, der seinen Kopf trifft – schwarz – immer wieder der Kopf. Er spürte, wie die Haut in seinem Gesicht aufplatzte. Wie ein Polizist einen harten Gegenstand in sein linkes Auge bohrte, die Pupille zerbarst, Blut über seine Wange lief.

"Lächerlich", sagt die Anwältin

Yaman stockt und schluckt, sein rechtes Augenlid, das heile, zittert. So oft hat er diese Geschichte erzählt, die Wut, die dabei in ihm aufsteigt, kann und will er nicht verbergen. Er hat Geburtstag, er wird heute 38. Aber was bedeutet das schon. Für ihn gibt es nur eine Zeitrechnung: sein Leben, bevor die Polizei ihn halb totschlug und das, was danach davon übrig blieb. "Das Schlimme ist, die Polizisten, die mir das angetan haben, sie laufen noch immer dort draußen herum", sagt er und knetet seine Hände.

Yaman hat Anzeige wegen versuchten Mordes erstattet. Die Ermittlungen müssten eigentlich schon abgeschlossen sein, sagt seine Anwältin Eylem Kinacilar. Doch noch immer wurden die Täter nicht gefunden und noch keine Anklage erhoben. Ein Anwohner hat den Vorfall zufälligerweise aus einem Fenster gefilmt und vor dem Staatsanwalt bestätigt. Auf dem Video sind schemenhaft fünf Beamte der türkischen Einsatzpolizei zu sehen, die auf jemanden einprügeln. Einer trägt Zivilkleidung, ein sechster Polizist kommt zur Hilfe herbeigeeilt. Ein Wasserwerfer steht daneben. "Die Polizei behauptet, sie wisse nicht, welche Beamten verantwortlich sind", sagt Anwältin Kinacilar. Lächerlich findet sie das. "Anhand des Dienstplans kann der Polizeichef doch feststellen, wer genau zu dieser Zeit vor Ort war." Zwar hätten Polizisten, die an dem Abend in Sancaktepe im Einsatz waren, inzwischen ausgesagt, doch sie gaben an, nichts von dem Vorfall mitbekommen zu haben. Die Pressestelle der Istanbuler Polizei will sich zu laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Yamans Frau Nihal rührt in ihrem Tee, ihr Kopftuch hat sie im Nacken zusammengebunden. Gebäck steht auf dem Tisch, der Fernseher läuft. Die jüngste Tochter, sieben Jahre alt, schmiegt sich an ihre Mutter. Die ältere, 13 Jahre, kaut auf ihrer Unterlippe. Bilder an der Wand erzählen von Yamans früherem Leben: Er steht im schwarzen Rollkragenpulli vor verschneiten Tannen im Osten der Türkei, die eine Hand lässig in der Hosentasche. Ein weiteres Bild zeigt sein Arbeitsgerät, den Mercedes-Bus. Weiß mit blauen statt gelben Lichtern. Yaman war selbstständig, eine Krankenversicherung hat er nicht.

Das Vertrauen in den türkischen Staat verloren

Hakan Yaman | © Mirjam Schmitt
Seit 22 Jahren wohnt er im Viertel, seine Frau Nihal ist in Sancaktepe aufgewachsen. Die beiden kennen jeden hier, den Weg vom Stadtteilzentrum nach Hause ist Yaman jeden Tag fünf bis zehn Mal gelaufen. Zum Einkaufen, zur Bank, Freunde besuchen.

Yamans Tortur in dieser Nacht im Juni, sie ist noch nicht zu Ende. Der Satz eines Polizisten ist ihm im Gedächtnis hängen geblieben: "Lasst uns ihn fertigmachen." Zu dem Zeitpunkt war Yaman fast bewusstlos. Die Polizisten schleppten ihn 30 Meter weiter zu einem glühenden Feuer. Dort ließen sie ihn liegen. Yaman spürte, wie sein Rücken verbrannte. Langsam kam er zu sich und nahm verschwommen den Wasserwerfer war. Das Motorengeräusch wird er niemals vergessen. Yaman wusste, er muss aus dem Feuer raus, sonst würde er sterben. Er versuchte aufzustehen, fiel wieder hin. Zwei Menschen liefen auf ihn zu, zerrten ihn heraus und brachten ihn in ein Krankenhaus.

Der Befund: Nase und Wangenknochen gebrochen, sowie die Knochen an Stirn und Kinn. Ein Auge verloren, 20 Prozent Sehkraft auf dem anderen verblieben, Schädelfraktur, Verbrennungen zweiten Grades am Rücken.

Alles ist vernebelt

Yaman wurde am Kopf operiert und lag zwei Wochen im Krankenhaus. Weil er nicht krankenversichert ist, musste er für die Behandlungen bisher 50.000 Türkische Lira zahlen, umgerechnet etwa 20.000 Euro. Die Familie unterstützt ihn, so gut es eben geht. Arbeiten wird Yaman nie wieder können. Nihal Yaman war bisher zu Hause und hat sich um die Kinder gekümmert. An ihre Zukunft will die Familie nicht denken, noch nicht. Sie hoffen auf Schadenersatz, doch dazu müssten die Täter gefunden werden.

Yaman hebt die Hände, es sieht hilflos aus. Da sitzt er auf dem Sofa, zum Nichtstun verdammt. Auf dem rechten Auge sieht er alles vernebelt, er kann sich nicht lange konzentrieren. Weder fernsehen noch ein Buch lesen. Er schläft kaum, träumt schlecht.

Abends geht er nicht vor die Tür, weil er dann keine Sonnenbrille anziehen kann, die sein halbes Gesicht verdeckt. Ohne Brille traut er sich nicht raus. Die Blicke der Menschen erträgt er nicht. Nicht nur Yamans Körper ist verletzt, auch seine Seele. Er nimmt Antidepressiva, um das alles ertragen zu können, sagt er.

Auf einem Tischchen neben dem Sofa steht ein weiteres Bild: Es zeigt Nihal und Hakan Yaman. Sie lehnen die Köpfe aneinander und schauen in die Kamera – sie sehen glücklich aus. In diesem Sommer haben Nihal und Hakan Yaman nicht nur ihr altes Leben verloren, sondern auch das Vertrauen in den türkischen Staat. Dennoch hofft Hakan Yaman auf Gerechtigkeit. "Wenn es sein muss, gehen wir bis zum europäischen Gerichtshof", sagt er und blickt entschlossen aus dem einen Auge, das ihm die Polizei seines Heimatlandes noch gelassen hat.

Kaynak: www.zeit.de ... »

12.11.2013 2434
Studenten in der Türkei: Erdogan treibt Geschlechtertrennung voran

REUTERS
Von Oliver Trenkamp

Nein, männliche und weibliche Studenten sollen nicht "unter einem Dach" zusammenleben, findet der türkische Premierminister Erdogan. Gemischte Wohnheime sollten abgeschafft werden. Torpediert der konservative Regierungschef das koedukative Erziehungswesen?

An deutschen Unis wabert die Geschlechterdiskussion seit Jahrzehnten. In guten Phasen hat sie zu mehr Gerechtigkeit geführt, zu mehr Respekt. In schlechten reduziert sie sich darauf, ob das Binnen-I in ProfessorInnen Sprachgerechtigkeit herstellt oder ob es nicht doch der Gender-Gap in Professor_innen sein muss. Besonders Progressive streiten für das flexible Gendern: Der Unterstrich fällt zufällig irgendwo ins Wort, um kein Geschlecht besonders zu betonen - also Prof_essorinnen oder Pr_ofessorinnen.

An türkischen Hochschulen geht es im Geschlechterstreit um viel grundlegendere Dinge. Lange ging es zum Beispiel um die Frage, ob Frauen mit Kopftuch die Uni-Gebäude überhaupt betreten dürfen. Jetzt hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Geschlechterstreit im türkischen Bildungswesen mit einem neuen Vorstoß befeuert: Er fordert, männliche und weibliche Studenten dürften nicht "unter einem Dach" zusammenleben.

Wohlgemerkt: Erdogan empört sich nicht über gemischtgeschlechtliche Schlafsäle oder ähnliches - die gibt es eh so gut wie nie in der konservativen Türkei. Es geht um Studentenwohnheime wie jenes in Trabzon am Schwarzen Meer, wo Männer und Frauen auf dem Weg zu ihren Zimmern durch dasselbe Treppenhaus laufen.

Seine konservativ-demokratische Regierung werde es nicht hinnehmen, dass unverheiratete Studentinnen und Studenten gemeinsam wohnten, wetterte Erdogan mehrfach. In drei von vier staatlichen Wohnheimen ist die Geschlechtertrennung nach seinen Worten bereits vollzogen. Auch bei anderen Studentenwohnformen werde die Regierung aus ihren konservativen Grundüberzeugungen heraus "intervenieren".
Mit den Mitteln des Sicherheitsapparats gegen Studenten-WGs?

Offenbar meint Erdogan damit auch Studenten-WGs in Metropolen wie Istanbul. Der Premier kündigte an, lokale Behörden dürften Beschwerden über das Zusammenleben unverheirateter Studenten in privaten Räumen nachgehen. Um solche Fälle zu ermitteln, solle auch auf Informationen von Sicherheitskräften zurückgegriffen werden. Dass die Fahnder nicht zimperlich im Umgang mit Studenten sind, haben sie immer wieder gezeigt. Mitunter landen Studenten im Knast, weil sie das Konzert der falschen Band besuchten.

Es ist ein weiterer Vorstoß Erdogans, sich in das Privatleben seiner Bürger einzumischen, so sieht es nicht nur die Opposition, sondern so sehen es auch türkische Studenten. Viele befürchten: Nachdem der umstrittene Premier bereits den türkischen Frauen empfahl, mindestens drei Kinder zur Welt zu bringen, und nachdem er den Ausschank von Alkohol beschränken ließ, zielt er jetzt aufs koedukative Erziehungswesen.

Der Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu von der CHP warf Erdogan vor, die Türkei zu einem Nahost-Staat machen zu wollen, in dem es keine gemeinsame Bildung für Jungen und Mädchen mehr gebe. Sein Partei-Sprecher Haluk Koc, sekundierte, Erdogans Regierung wolle die Bürger ausspionieren. Die Angst geht um, die Wohnheim-Frage könnte nur ein weiterer Schritt in Richtung Islamisierung der Türkei sein.

Der Streit tobt seit einigen Tagen, mehrfach wetterte Erdogan gegen das Zusammenleben von unverheirateten jungen Männern und Frauen. Das "Wall Street Journal" schrieb vom neu aufflammenden "Kulturkampf" zwischen religiös-konservativen Erdogan-Anhängern und Kemalisten, die das laizistische Erbe des Republikgründers Atatürk verteidigen. Nicht zu vergessen sind all jene Sympathisanten und Angehörige der Gezi-Park-Bewegung, die sich vor einigen Monaten gegen Erdogan erhob.

Der Premier selbst äußerte sich am Mittwoch nicht weiter zum Thema, er reiste nach Finnland. Vizepremier Bekir Bozdag betonte allerdings, der Regierungschef handele auf der Grundlage der Verfassung, nach der die Regierung zum Schutz der Jugend verpflichtet sei. Mehrere türkische Zeitungen zitierten allerdings Rechtsexperten, die von einer Verletzung der Grundrechte sprachen.

Zudem sind auch in der Türkei die allermeisten Studenten volljährig, der Jugendschutz ist da ein ziemlich merkwürdiges Argument.

Mit Material von Reuters und AFP

Quelle: www.spiegel.de ... »

12.11.2013 2433
Erdogans Angst vor dem Sex in Studenten-WG's

Verkleidet als Premier Erdogan demonstrieren Studenten in Ankara gegen Geschlechtertrennung in WG's. Foto: AFP
Erneut ist die türkische Jugend erzürnt über ihren Ministerpräsidenten. Denn nun spricht sich Erdogan gegen gemischte Studenten-WGs aus und fordert staatliche Kontrollen in Privatwohnungen. Von

Cigdem Toprak, Istanbul

Studenten und Studentinnen in der Türkei sollen getrennt wohnen – dazu hat der türkische Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine klare Meinung. Auf einer parteiinternen Versammlung beklagte er in der vergangenen Woche, dass es zu wenig Studentenwohnheime gäbe. Ein Mangel mit der gefährlichen Folge, das Studenten und Studentinnen in dieser Notlage dazu verleitet werden könnten, sich private Wohnungen zu teilen, meint Erdogan.

"Dies entspricht nicht unserem konservativem Demokratieverständnis", erklärte er. Im der türkischen Stadt Denizli sei das Problem schon eingetreten. "Wir haben dem Gouverneur die Anordnungen gegeben. Das Notwendige wird eingeleitet." Der Vizepremier und Regierungssprecher Bülent Arinc widerriefen dies und Arinc stellte klar, dass keine staatlichen Kontrollen in privaten Wohnungen stattfinden werden.

Doch Erdogan bekräftigte am nächsten Tag die eigenen Worte. "Ich leugne nicht, was ich einmal gesagt habe. Unsere Regierungspräsidien greifen in diesen Situationen ein", sagte er. "Wieso wird das als störend empfunden? Wir wissen nicht, was in diesen Wohnungen passiert. Es kann alles passieren. Die Eltern klagen und fragen, wo der Staat ist. Wir müssen zeigen, wo der Staat ist."

Gemischte WGs sollen kontrolliert werden

Der türkische Innenminister Muammer Güler kündigte nun an, dass ein Erlass vorbereitet werde. Neben illegal vermieteten Wohnungen sollen demnach auch gemischte Studenten-WGs kontrolliert werden. In der Türkei leben die meisten Studenten in staatlichen und privaten Studentenwohnheime zumeist nach Geschlechtern getrennt – teilweise sogar in unterschiedlichen Gebäuden.

Gemischte WGs sind eine Seltenheit. Laut türkischer Medien gab es in Istanbul bereits erste Kontrollen. Am 5. November soll eine Soziologie-Studentin in ihrer Wohnung von 30 Polizisten kontrolliert worden sein, ohne dass man ihr eine Durchsuchungserlaubnis zeigte. In der Stadt Manisa wurde laut Medienberichten gegen Studenten bei einer polizeilichen Kontrolle jeweils ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 32 Euro verhängt, weil Studentinnen zwei männliche Kommilitonen um ein Uhr nachts zu Besuch hatten. Der Vorwurf: Störung der öffentlichen Ordnung.

Zu Erdogans Sorge darüber, was alles passieren kann, wenn junge Männer und Frauen zusammenleben, schreibt der bekannte türkische Journalist Yilmaz Özdil in seiner Kolumne bei der türkischen Zeitung "Hürriyet" sarkastisch: "Ich werde es niemals vergessen. Wieder einmal hatten wir Sex auf dem Rasen auf unserem Campus mit Männern und Frauen, manche von uns auf den Parkbänken, andere auf den Treppen des Universitätsgebäudes. Das Wetter war so toll, deshalb überlegten wir, auch auf der Fähre am Bosporus Sex zu haben." Özdil folgert in seinem Stück: "So stellen sich diejenigen die Jugend vor, die keine gehabt haben" und kritisiert damit den streng konservativen Lebensstil von Erdogan und vielen seiner Wähler.

Die Debatte um außerehelichen Sex

Der Premier hat mit seinen Forderungen gleich mehrere Debatten losgetreten. Viele kritisieren nicht nur, dass der er sich wie "ein strenger Vater" aufführe, sondern sie diskutieren auch über die Werte und Vorstellungen, die hinter Erdogans Worten stecken. Es geht zum einen um die Frage, ob Frauen und Männer außerhalb der Ehe in WGs zusammenwohnen können, ohne das etwas passieren muss und darum, was passiert, wenn sie außerehelichen Sex haben.

Einige Kolumnisten der älteren Generation verteidigen in der medialen Debatte das Recht auf Sexualität außerhalb der Ehe, wie die Journalistin Ezgi Basaran bei der linksliberalen Zeitung "Radikal".

Ein Großteil der türkischen Studenten ist sich darin einig, dass Erdogan mit seinen Äußerungen und geplanten Anordnungen zu weit gegangen ist. Was das gemeinsame Wohnen außerhalb der Ehe betrifft, gehen die Meinungen aber auseinander. Viele sagen, dass Erdogans Worte im Grunde nur die Sitten und Werte der türkischen Kultur widerspiegeln würden. In der Türkei herrsche soziale Kontrolle und gesellschaftlicher Druck, erzählt der 24-jährige Student Hasan, der an der privaten Bahcesehir Universität in Istanbul studiert. "Hier gibt es schon immer die allgemeine Haltung, dass keine Wohnungen an unverheiratete Personen vermietet werden sollten. Deshalb sind insbesondere Studenten seit Jahren mit dem Problem konfrontiert, dass sie von Immobilienmakler keine Wohnungen bekommen."

Nicht die Werte der türksichen Gesellschaft

Sein Kommilitone Ogulcan hält Erdogans Werte nicht für repräsentativ. "Im Mittelmeer-Raum, Maramara-Raum und an der Ägais teilt die Mehrheit der Familien nicht, dass Erdogans Äußerungen die Werte der gesamten türkischen Gesellschaft widerspiegeln", sagt er. "Ich würde vor der Ehe mit meiner festen Freundin zusammenziehen und auch ein weibliches Familienmitglied von mir sollte das dürfen."

Denn eigentlich sei bei dieser Debatte die Zielscheibe immer die Frau und nicht der Mann. "Wenn ein unverheiratetes Paar zusammenlebt, dann wird dafür eher die Frau verurteilt als der Mann. Und wie geht die türkische Polizei bei ihren Kontrollen in Wohnungen mit Paaren um, die nur islamisch verheiratet und nicht standesamtlich verheiratet sind?"

Der 18-jährige Student Melih sieht das anders. Er würde seiner Tochter später nicht erlauben, mit einem Mann außerhalb der Ehe zusammenzuwohnen. Alles andere würde die Werte und Sitten der türkischen Kultur verletzen. Aber das gemeinsame Zusammenleben sei eben ein alternativer Lebensstil, der zu tolerieren sei. "Es gibt viele Türken, die das heute ihren Kindern erlauben. Die Frage ist, ob sich der Staat in dieser Angelegenheit einmischen darf. Meine Antwortet lautet Nein. Das geht nur die Familien selbst etwas an."

Der Druck auf junge Türken könnte stärker werden

Nermin und Zulal sind 20 und 22 Jahre und studieren zusammen Kunstgeschichte an der renommierten staatlichen Marmara Universität und mussten über die Äußerungen Erdogans zunächst schmunzeln. "Ich lebe alleine und mein Freund ist ständig bei mir zu Besuch", sagt Zulal. Die beiden jungen Studentinnen sind sich einig, gesellschaftlicher Druck sowie soziale Kontrolle habe in der Türkei schon immer geherrscht, was das Thema "Sexualität" angeht.

Aber sie befürchten, dass durch diese Debatte der Druck auf die jungen Türken stärker werden könnte. Die Hausverwaltungen hätten schon begonnen, sich über die Studenten zu beschweren. "Erdogan versucht die Gesellschaft zu spalten, jetzt sind die Studenten die Zielscheibe geworden", sagt Nermin. Dabei sollten sie geschätzt werden, weil sie schließlich die Zukunft des Landes seien. Beide fordern mehr Freiheit und Toleranz, wollen aber gleichzeitig nicht, dass die Werte der türkischen Kultur verloren gehen.

Auch die junge Psychologie-Studentin Özge bemängelt, dass es in der türkischen Gesellschaft noch viele Tabus gäbe. "In der Türkei sind wir beim Thema Sexualität nicht so frei wie in den westlichen Ländern. Die Türkei ist ein Land, dass europäisch sein möchte aber weit hinter Europa ist", erklärt sie kritische. Über die Folgen dieser Tabus macht sich die Journalistin Ezgi Basaran Gedanken. Sie sorgt sich um die Zukunft der türkischen Jugend. "Die größte Gefahr für die Jugendlichen ist nicht die Möglichkeit, dass sie Sex haben, sondern dass sie von einem autoritären Staat erstickt werden", kommentiert sie die aktuelle Diskussion.

Quelle: www.welt.de ... »
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