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21.04.2008 1598
SAUDI-ARABIEN - Türkischer Friseur soll wegen Gotteslästerung enthauptet werden

Er soll den Propheten beleidigt haben und nun dafür mit dem Schwert enthauptet werden: Seit 13 Monaten sitzt Sabri Bogday in Saudi-Arabien in der Todeszelle. Jetzt hofft er, dass ein Berufungsgericht in Mekka das Urteil aufhebt.

Dschidda - Während eines ganz gewöhnlichen Wutanfalls soll Sabri Bogday auf Gott und den Propheten Mohammed geschimpft haben. Doch er hatte offenbar nicht mit der Reaktion seiner Gesprächspartner gerechnet. Wie die Zeitung "Arab News" am Montag berichtet, zeigten ein Ägypter und ein Saudi den 31-jährigen Friseur wegen Blasphemie an - nachdem einer der Kläger mit ihm heftig gestritten hatte.

Wie die Zeitung berichtete, soll Bogday während einer ersten Anhörung vor Gericht zugegeben haben, in seinem Friseursalon geflucht und dabei Gott und den Propheten beleidigt zu haben. Später habe er dies jedoch bestritten. Trotzdem verurteilte ihn ein Gericht in Dschidda am 31. März 2007 wegen Gotteslästerung zum Tod durch das Schwert.

Ein Berufungsgericht der Stadt Mekka werde kommende Woche über den Fall entscheiden, schreibt "Arab News". Sabri Bogday lebt bereits seit elf Jahren in Saudi-Arabien. Seine Frau erklärte gegenüber türkischen Medien, ihr Ehemann kenne die Gesetze des islamischen Königreiches sehr genau. Er hätte deshalb niemals in der Öffentlichkeit auf Gott geschimpft. Der ägyptische Schneider, der nicht vor Gericht erschienen sei, habe gelogen, erklärte sie.

Vertreter des türkischen Konsulats in Dschidda hätten zwar zu Beginn des Prozesses gegen Bogday einer Verhandlung beigewohnt, schreibt "Arab News". Man habe dem Angeklagten aber keinen Anwalt zur Verfügung gestellt.

Quelle: www.spiegel.de ... »

19.04.2008 1597
Nazarbayev: 'Avrupa bir gün Asya'ya muhtaç olacak'

Orta Asya Ekonomik Birliği'nin kurulması teklifinin fikir babası Kazakistan Devlet Başkanı Nursultan Nazarbayev, Avrupa'nın bir gün Orta Asya'ya muhtaç olacağını söyledi.

Kazakistan basınında yer alan haberde Kazak lider, Orta Asya Ekonomik Birliği'nin hayata geçirilmesiyle büyük zenginlik kaynaklarına sahip bölgenin daha da güçlü ve stratejik bir konuma geleceğini söyledi. Orta Asya'nın yer altı ve üstü kaynaklardan oluşan kapsamlı bir zenginlik potansiyeline sahip olduğuna dikkat çeken Nazarbayev, "Avrupa bir gün Asya'ya muhtaç olacak" ifadesini kullandı.

Nazarbayev, Orta Asya'nın 55 milyona dayanan nüfusuyla oluşacak ekonomik birliktelikle bölgede daha farklı bir konuma geleceğinin altını çizdi.

Gündemlerinde olan birlik sürecinin etaplar halinde hayata geçirileceğine dikkat çeken Kazak lider, bu konuda 2009'da bölge ülkeleri düzeyinde daha ağırlıklı bir şekilde kararlar alınacağını kaydetti

Nazarbayev, rekabetin giderek arttığı ve hayat şartlarının ağırlaştığı globalleşen dünyada ferdi hareket etmektense toplu hareketin daha yararlı olacağına vurgu yaptı.

Kaynak: www.abhaber.com ... »

19.04.2008 1596
Bacca'yı Türkler ve İtalyanlar birlikte uğurladı

Milano'dan Kudüs'e dogru otostop yaparak başlattıgı barış yolculugu esnasında Gebze yakınlarında hunhar bir cinayete kurban giden italyan sanatçı Pippa Bacca son yolculuguna ugurlandı.

Milano San Simpliciano Kilisesi'nde yapılan cenaze törenine çok sayıda insan katılırken törene özellikle Türk medyası büyük ilgi gösterdi. Türkiye'den Şişli Belediye Başkanı Mustafa Sarıgül törene bizzat katılırken Kocaeli Büyükşehir Belediye Başkanı İbrahim Karaosmanoglu törene çelenk gönderdi. Cihan mikrofonlarına konuşan Başkan Sarıgül ülkemizde yaşanan bu vahşi olay nedeniyle "çok üzgünüz" derken, "Pippa Bacca'nın başlattıgı barış mücadelesi devam etmeli" dedi.

Birçok insan kilisenin önüne açılan defteri imzalamak için kuyruga girerken törene Özgürlükler Halkı Partisi'nin önde gelen isimlerinden Ignazio La Russa ve Milano Belediye Başkanı Letizia Moratti de katıldı ve Pippa'nın anısına açılan defteri imzaladı. İgnazio La Russa'nın Bacca ailesi ile yıllardır tanıştıgı ve yıllar önce "Sessiz Çogunluk" adlı bir sivil toplum hareketinde beraber yer aldıkları ögrenildi.

Yaklaşık iki saat süren kilise töreninin ardından Pippa'nın vasiyet ettigi üzere Bacca ailesi fertleri kilisenin önüne konulan cenazenin etrafında şarap içti ve dans etti. Pippa'nın ailesine "eger başıma birşey gelirse sakın üzülmeyin, cenaze törenim hüzünlü degil neşeli olsun" şeklinde konuştugu belirtiliyor. Tören sonrası taziyeleri kabul eden Pippa'nın annesi ise kızının başlattıgı proje ile ilgili olarak önce Verona şehrinde bir sergi yapacaklarını, ardından Milano'da gerçekleşecek sergiyi Türkiye'de de yapmayı düşündüklerini söyledi.

Törene Milano'da yaşayan birçok Türk'ün de iştirak ettigi görüldü.

İbrahim Arık - Cihan / Milano

Kaynak: www.zaman.com.tr ... »

18.04.2008 1595
Alles beim Alten - Gleichberechtigung? In Deutschland? Soll das ein Witz sein?

Von Gleichberechtigung kann in Deutschland keine Rede sein. Wer das Gegenteil behauptet, geht den Männern auf den Leim:

45 Prozent von ihnen behaupten, »Männer und Frauen sind in der heutigen Arbeitswelt gleichberechtigt« – aber nur 14 Prozent der Frauen. Selbst die färben die Tatsachen noch schön. In Wahrheit nämlich ist ihr Anteil im Topmanagement deutscher Großunternehmen im vergangenen Jahr sogar zurückgegangen, von 7,5 auf 5,7 Prozent. Und bis heute sitzt in den größten börsennotierten deutschen Unternehmen, den Dax-30-Konzernen, keine einzige Frau im Vorstand. Wer von Gleichberechtigung spricht, meint also die »gefühlte Gleichberechtigung«.

Dass Frauen in den Medien zurzeit so sein Thema sind, mag daran liegen, dass diese vollkommen unterschiedliche Einschätzung der Chancen eine gesellschaftliche Reibung erzeugt, die irgendwann ihren Weg in die Öffentlichkeit findet; die Menschen bei Maischberger diskutieren, ob Frauen weniger wert sind, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung fragt sich, warum Frauen keine Start-ups gegründet haben oder wenigstens in einer Garage ein Computersystem; Spiegel Spezial widmet dem »starken Geschlecht« ein ganzes Heft. Es gibt Bücher, die heißen Wir Alphamädchen oder Neue deutsche Mädchen, in denen berichten Frauen, dreißig und jünger, sehr emotional, sehr ehrlich, wie Frauen eben sind, dass sie sich unabhängig und stark fühlen, frei entscheiden wollen, ob Kind oder Karriere oder beides. Und spätestens im dritten Absatz steht, dass sie Alice Schwarzer zwar viel zu verdanken haben, aber ihre Art zu denken heute doch ein bisschen verbiestert und altmodisch daherkomme. Und irgendwie beschleicht einen bei all der Lektüre das Gefühl: Freundinnen, ich kenne euch schon so lang, mindestens seit 1994. Hat sich denn gar nichts geändert?

Da nanntet ihr euch Girlies oder wurdet so genannt, aber die Fotos damals im Jugendmagazin Jetzt mit den Schottenröcken und dem selbstbewussten Blick in die Kameras ähneln denen der Alphamädchen von heute frappant. Damals wie heute glauben sie an sich selbst und dass alles gut wird mit der Emanzipation und auch mit den Jungs. Dass Mädchen schlauer sind als Jungs, besser in der Schule und den Unis, darüber brauchen wir Gott sei Dank gar nicht zu mehr reden. Wenn nur die Hälfte von dem, was die Girlies damals forderten, eingetreten wäre, dann müsste es heute in den Chefetagen von Alphafrauen nur so wimmeln – oder wenigstens von drei-, vierhundert Manager-Girlies.

Kann es daran liegen? Frauen unter dreißig sind überzeugt, dass ihnen neben vielem anderen auch eine große Karriere offen stünde – vorausgesetzt, sie wollten. Frauen über dreißig klingen sehr viel resignierter. Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, Jahrgang 1970, schreibt in ihrem Buch Schwestern. Streitschrift für einen neuen Feminismus: »Die Retro-Apostel haben wieder Oberwasser, zumindest an der Geschlechterfront.« Und Barbara Bierach, eine kluge Autorin, die den Bestseller mit dem ziemlich dämlichen Titel: Das dämliche Geschlecht geschrieben hat, sagte zum Manager-Magazin: »Die Emanzipationsbewegung war eine der spannendsten Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts, aber jetzt ist das alles zum Stillstand gekommen.« – »Also Moooment mal«, so fängt ein seit drei Jahren oft gehörter Satz an, »wir haben doch jetzt eine Bundeskanzlerin!« Ja, haben wir. Liberia und Chile haben auch eine Regierungschefin. Selbst Pakistan ist uns weit voraus. Als Benazir Bhutto 1988 zum ersten Mal Premierministerin wurde, war Angela Merkel noch Kreisleitungsmitglied der FDJ in Ostberlin. Irgendwo auf dem langen Weg von den starken Mädchen in der Schule bis zu Kohls Mädchen, der heutigen Kanzlerin, gehen die Frauen in Rudeln verloren. Ärgert das überhaupt jemanden?

Quelle: sz-magazin.sueddeutsche.de ... »

17.04.2008 1594
Unerwünscht im Mutterland

Ersehntes Ziel: Für viele vor 1975 geborene Nachkommen deutscher Mütter und ausländischer Väter ist der deutsche Pass bis heute unerreichbar

Von Stefan Buchen

Wie die Behörden mit Hochmut, Ignoranz und frechen Lügen Kinder deutscher Mütter und ausländischer Väter noch immer als unliebsame Fremde abstempeln – späte Folge eines frauenfeindlichen Gesetzes aus der Kaiserzeit

Als er Anfang 2002 nach Deutschland kam, glaubte Michael Samir al-Ayash, dass alles ganz schnell gehen würde. Dass er ein Aufenthaltsrecht und einen deutschen Pass bekommen und er sich ohne Hindernisse in seinem Geburtsland, dessen Sprache seine Muttersprache ist, würde niederlassen können.

Strapazen und Schikanen hatte er schließlich genug hinter sich. Ohne Papiere hatte er sich auf dem Landweg vom Irak nach Deutschland durchgeschlagen. Auf den Ladeflächen von Lastwagen hatte er sich versteckt, Schläge und Tritte hingenommen. Tausende Dollars hatte er den Menschenschleusern gezahlt, nachdem ihm von der deutschen Botschaft in Amman ein Visum verweigert worden war.

Er kam zu spät, um seine Mutter noch einmal zu sehen. Karin al-Ayash, geborene Brelle, war inzwischen in einem Hamburger Krankenhaus an Krebs gestorben. Aber wenigstens den Verlust zu verarbeiten, würde er nun Muße haben, dachte er, denn seine Odyssee schien erst einmal vorbei.

Bei den Ämtern seiner Geburtsstadt Hamburg besorgte er sich die nötigen Papiere, um sich auszuweisen: Familienbuch, Geburtsurkunde. In Deutschland werden solche Dokumente sorgfältig gespeichert und verwaltet, das wusste er. Das Bezirksamt Hamburg-Nord erteilte ihm schriftlich Auskunft über seine Staatsbürgerschaft. „Zum Zeitpunkt Ihrer Geburt hatten Sie die deutsche Staatsangehörigkeit, da Sie sie von Ihrer Mutter geerbt haben,“ hieß es knapp und klar.

In seiner Auskunft war der Standesbeamte womöglich seinem natürlichen Rechtsempfinden oder den Gleichheitsprinzipien des Grundgesetzes gefolgt, nicht aber dem Gesetz. Die Auskunft war falsch.

„Daraus wurde ein Albtraum,“ sagt Michael Samir al-Ayash, dessen Staatsangehörigkeit in den Augen deutscher Bürokraten allein von seinem irakischen Vater bestimmt wird. Sein Pech ist, dass er sechs Monate zu früh, nämlich am 1. Juli 1974 geboren wurde. Die Studentenbewegung hatte da zwar schon den Muff aus den Talaren geklopft und Alice Schwarzer die Emanzipation der Frau verkündet. Aber Paragraf 4 des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1913 hatte nicht nur die Weltkriege, sondern auch die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik und den revolutionären Rausch der 68er überdauert. Eine verheiratete Mutter konnte demnach in Deutschland ihre Staatsangehörigkeit nicht an ihre Kinder vererben. So hatte es Wilhelm, von Gottes Gnaden deutscher Kaiser, verordnet, und so blieb es bis zum 31. Dezember 1974.

Um zunächst in Deutschland bleiben zu können, hatte Michael Samir deshalb fast 90 Jahre nach Erlass des kaiserlichen Gesetzes keine andere Wahl, als in seinem Geburtsland einen Asylantrag zu stellen. An die erste Vernehmung erinnert er sich noch gut. Sie lief auf deutsch. Am Ende habe der Beamte gelacht: „Sie sind der erste Deutsche, der in Deutschland einen Asylantrag stellt.“

In das Antragsdeckblatt schrieben die Beamten vom Bundesamt für Migration freilich etwas ganz anderes. Unter „Volkszugehörigkeit“ steht dort „Araber“, als „1. Sprache“ wird „arabisch“ aufgeführt. Eine „2. Sprache“ sei „unbekannt“.

„Unbekannt?“ Michael Samir spricht perfekt deutsch mit einer leichten Hamburger Färbung. „Meine Mutter hat mir deutsche Kinderlieder beigebracht. Sie hat mir Hänsel und Gretel und andere Geschichten vorgelesen, als ich klein war“, erzählt er. „Ich bin Deutscher.“ Aber Michael Samir al-Ayash ist „nach Aktenlage“ ein arabisch sprechender Asylbewerber aus dem Irak, wo er mit seinen Eltern gelebt hatte. Und so wird er behandelt. Er wird in einem Asylbewerberheim in Nordrhein-Westfalen untergebracht. Als er in einem anderen Kreis eine Arbeit findet und deswegen umzieht, wollen die Behörden ihn bestrafen. Ein Asylbewerber darf nicht einfach seinen ihm zugewiesenen Wohnort verlassen.

Michael Samir nimmt einen Anwalt. Fast 10.000 Euro gibt er aus, um mit den Behörden und vor Gericht um sein Existenzrecht in Deutschland zu kämpfen. Ohne Erfolg. Seine Asylanträge werden vom Bundesamt für Migration abgelehnt, Klagen scheitern vor dem Verwaltungsgericht Köln.

Jetzt ist er ausreisepflichtig. „Er muss zurück in den Irak,“ sagt Hans-Hermann Tirre von der Verwaltung des Rhein-Erft-Kreises, wo er als abgewiesener Asylbewerber lebt. Allein weil es keine Flugverbindungen von Deutschland nach Bagdad und damit zurzeit einen faktischen Abschiebestopp in den Zentralirak gibt, ist Michael Samir noch in Deutschland. „Wir vollziehen diese Ausreiseverpflichtung, wenn uns signalisiert wird, es geht,“ legt Tirre nach. Für den leitenden Beamten ist das „ein ganz normaler Fall.“

Otto Entrup ist von der CDU. Er schüttelt sein schlohweißes Haupt. „Unverständlich,“ kommentiert er den Umgang der Behörden mit dem Fall Michael Samir. Für den ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Rechtsanwalt aus dem Sauerland ist der junge Mann kein Fall für die Abschiebung in den Irak, sondern für die rasche Einbürgerung.

Entrup saß 1974 im Bundestag. Er wollte Absurditäten wie den Fall von Michael Samir von vornherein verhindern. In der Debatte um die Änderung des verfassungswidrigen Gesetzes aus der Pickelhaubenzeit plädierte er dafür, allen bereits geborenen Kindern deutscher Mütter und ausländischer Väter – damals zählte man mehr als 200.000 – rückwirkend die deutsche Staatsangehörigkeit zu verleihen. Aber Entrup scheiterte an der damaligen sozialliberalen Koalition, die den Betroffenen eine dreijährige Frist setzte, während der sie formell erklären mussten, Deutsche werden zu wollen.

Diese Frist verstrich von den meisten unbemerkt. Dass dies so kommen würde, wussten die Abgeordneten parteiübergreifend, wie aus den Bundestagsprotokollen vom 5. Dezember 1974 hervorgeht. Die Protokolle sind ein bedrückendes Dokument parlamentarischen Versagens.

„Tragödien sind durch diese mutlose, nicht weitsichtige und systematisch falsche Entscheidung des Bundestages hervorgerufen worden,“ meint der Rechtsanwalt Fred Hullerum. Er weiß, wovon er spricht, denn er vertritt die Lüneburgerin Ingrid Ben Mira, deren Sohn Ralf 1979 als kleines Kind vom Vater nach Tunesien entführt wurde. Seitdem kämpft sie um ihren Sohn, nicht mit der Hilfe, sondern gegen den Widerstand der deutschen Behörden.

Ralf gilt nicht als Deutscher, weil er vor 1975, nämlich am 19. November 1974 geboren wurde und sein Vater Tunesier ist. Vergeblich hat die Mutter versucht, ihn nach Deutschland zu holen, solange er Kind war. Vergeblich bemüht sich Ralf um einen deutschen Pass, seit er erwachsen ist. Selbst ein Einreisevisum wird ihm vom Auswärtigen Amt und der Stadt Lüneburg verweigert. „Das hat mein Leben kaputt gemacht,“ sagt Frau Ben Mira. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt ihr Arbeitsunfähigkeit. „Langjährige depressiv-neurotische Entwicklung ..., die durch ein persönliches Verlusterlebnis ausgelöst wurde,“ heißt es in der Diagnose.

Hunderte, wahrscheinlich Tausende ähnlicher Fälle gibt es. Aber der Staat bleibt hart. „Keinen Bedarf“ sieht das Innenministerium für eine Gesetzesänderung und führt aus: „Den Betroffenen steht es frei, die deutsche Staatsangehörigkeit im Rahmen des geltenden Staatsangehörigkeitsgesetzes zu erwerben.“ Blanker Zynismus, wenn man diesen Satz an der Realität misst. Die heutige CDU stört das nicht. Ihr innenpolitischer Sprecher Hans-Peter Uhl pflichtet dem Ministerium bei. Gleichgültigkeit herrscht auch in den übrigen Fraktionen.

„Bitte helfen Sie mir,“ ruft in klarem Deutsch eine verzweifelte Frauenstimme ins Telefon. Nuha Salman ist mit ihren drei kleinen Kindern 2006 aus dem Irak ins syrische Aleppo geflohen. Bis 2006 hatte sie mit ihrer deutschen Mutter und ihrem irakischen Vater im kriegszerstörten Bagdad gelebt. Dann kam ein Anruf aus der deutschen Botschaft für die Mutter. Man empfehle ihr, den Irak zu verlassen, weil sie als Deutsche dort gefährdet sei.

Der Tochter wurde diese Fürsorge nicht zuteil, denn sie gilt nicht als Deutsche. Ihr blieb keine andere Wahl als das Flüchtlingselend im benachbarten Syrien. Auf ein Visum nach Deutschland hat auch sie keine Chance.

Otto Entrup sieht den Staat in der Pflicht, mit einer Gesetzesänderung solchen Irrsinn endlich zu stoppen. Wer gehört zu Deutschland? Wer bildet die Nation und was ist der Rechtsstaat? Dürfen Frauen noch immer diskriminiert werden, nur weil sie einen Ausländer geheiratet haben, – und ihre Kinder gleich mit?

„Wir sind heute eigentlich viel weiter,“ sagt Anwalt Hullerum und verweist auf das von Rot-Grün 1999 verabschiedete neue Staatsbürgerschaftsrecht. „Zwei Ausländer können in Deutschland, wenn sie gut integriert sind, einen Deutschen zeugen. Da macht es keinen Sinn, die Abkömmlinge deutscher Mütter draußen vor der Tür stehen zu lassen.“ Aber noch streift das Ungeheuer von vorgestern ungebändigt durch deutsche Amtsstuben und Ministerien.

Ein Fernsehbeitrag des Autors zu dem Thema läuft an diesem Donnerstagabend um 21.45 Uhr im ARD-Magazin Panorama

Quelle: www.zeit.de ... »
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