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Wednesday, 17. January 2018
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11.02.2008 1518
Heimspiel in Köln

Kein Platz war mehr frei in der Kölnarena, als dort der türkische Ministerpräsident Erdogan zu 20.000 Deutschtürken sprach

Von Lenz Jacobsen

20.000 Deutschtürken jubelten dem Ministerpräsidenten Erdogan zum Abschluss seiner Deutschlandtour in der Kölnarena zu. Er befriedigte vor allem die große Heimatsehnsucht der Migranten

Menschen, die jubelnd auf ihren Sitzen stehen, Sprechchöre, die die ganze Halle füllen, und überall wehende Fahnen. Es ist eigentlich ein gewohntes Bild, das die Kölnarena, Heimat der Eishockeymannschaft der Kölner Haie, an diesem Sonntag abgibt. Sogar die Farben der Flaggen sind gleich: Rot und Weiß. Doch heute ist in der Mitte der riesigen Halle keine Eisfläche, sondern eine Bühne aufgebaut, der Star des Abends war kein dick gepanzerter Athlet, sondern ein grau melierter Herr, und es ging hier nicht um Tore, sondern um Politik.

Tayyip Erdogan heißt der Mann, der von 20.000 Menschen wie ein Popstar begrüßt wird. Erdogan ist der Ministerpräsident der Türkei. Und dies ist für ihn ein Heimspiel auf fremdem Boden. Denn auf den Rängen sitzen ausnahmslos Türken.

Die Veranstaltung ist der inoffizielle Abschluss einer Deutschlandtour Erdogans, die gleich von mehreren brisanten Themen bestimmt wurde: von dem Wohnhausbrand in Ludwigshafen, bei dem neun Türken ums Leben kamen, von der Diskussion über eine EU-Mitgliedschaft der Türkei auf der Münchener Sicherheitskonferenz und von der schwelende Debatte über die Integration der Türken in Deutschland. Vor diesem Hintergrund wird jedes Wort zur Geste und jede Positionierung wird leicht zur Provokation.

Das wissen auch Erdogan und die Veranstalter. Deshalb wollen sie heute weniger Politik machen, als vielmehr ihre Landsleuten in der deutschen Fremde in ein wohliges Gefühl von Heimat hüllen. Über die Leinwände flimmern stundenlang Landschaftsbilder aus der Türkei, untermalt von folkloristischen Klängen. Immer wieder laufen „Türkye, Türkyie!“-Rufe durch die Ränge. Und als endlich die Klänge der türkischen Nationalhymne ertönen, singen 20.000 Kehlen inbrünstig mit. Was dann folgt, hilft, eine Menge zu verstehen über das Verhältnis der Türken zu Deutschland: Die deutsche Nationalhymne erklingt, die Menschen sind einen Moment irritiert, aber dann lauschen sie auch dieser Hymne respektvoll und im Stehen. Aber sie singen nicht mit.

„Meine lieben Mitbürger!“, begrüßt Ministerpräsident Erdogan die Halle und hat damit gleich den ersten tosenden Applaus sicher. Erdogan hat verstanden, dass die Form heute wichtiger ist als der Inhalt. Er spricht von der „großen Nation“ Türkei, von der wunderbaren Entwicklung, die das Land unter seiner Führung gemacht hat, und von Heimat. „Ich kann die Düfte Kleinasiens hier in Mitteleuropa riechen“, sagt er, oder: „Eure Augen und Ohren waren stets in die Türkei gerichtet, es ist wunderbar, dass ihr die Sprache, Religion, Identität schon so lange Zeit bewahrt habt.“ Es ist eine Art Volksversammlung auf fremdem Boden, die hier über die Bühne geht.

Doch er wird auch konkret in Sachen Integration: Natürlich müssten die Türken Deutsch lernen. „Wer die Sprache des Landes nicht spricht, ist von Anfang an im Nachteil“, appelliert er. „Schickt eure Kinder in die besten Schulen, sie sollen die Möglichkeiten der Ausbildung maximal ausnutzen.“ Auch dafür gibt es Applaus. Was Erdogan aber auch sagt: „Keiner kann von euch verlangen, euch zu assimilieren, Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ Hier ist der Applaus deutlich enthusiastischer. Patriotismus und Integration in einem anderen Land, das ist in Erdogans Rhetorik kein Gegensatz, sondern der Königsweg für die Türken in Deutschland.

Auch Cihan Postaci aus Frechen bei Köln applaudiert laut. Er ist einer genau dieser Türken in Deutschland, die von sich sagen, dass sie nicht assimiliert werden wollen, und von denen die anderen sagen, dass er sich mehr um Integration bemühen müsse. Seit 1969 lebt er in Deutschland, und schon oft hat er darüber nachgedacht, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. 1994 hatte er schon alle Unterlagen ausgefüllt, da brach eine Debatte über Asylrecht in Deutschland los, Postaci fühlte sich diskriminiert und gab den Antrag nicht ab. „Bis heute liegen die Papiere bei mir zu Hause“, erzählt er. Doch dass er tatsächlich noch deutscher Staatsbürger wird, glaubt er nicht. „Solche Sachen wie der Wahlkampf in Hessen schrecken mich einfach immer wieder ab.“

Postaci ist wie viele andere hier froh, dass Erdogan „nicht noch mehr Öl in die Wunde“ namens Ludwigshafen gießt. Der Ministerpräsident spricht sein Mitleid aus, mahnt noch einmal gründliche Untersuchungen an, das war's.

Wirklich deutlich, ja geradezu kämpferisch wird Erdogan nur beim Thema EU-Mitgliedschaft. „Es kann für uns keine Alternative zur Vollmitgliedschaft geben“, stellt er klar. „Verzögern Sie diese Angelegenheit nicht mit fadenscheinigen Vorwänden", sagte Erdogan an die Kritiker gerichtet – auch an die in der deutschen Politik.

Von denen hatte es schon im Vorfeld Kritik am Kölner Auftritt gegeben. Kontraproduktiv für die Integration sei so eine rein türkische Veranstaltung auf deutschem Boden, bemängelten Politiker. Die massive Plakatwerbung hauptsächlich in türkischer Sprache sei eine Provokation für deutsche Bürger. Der Kölner CDU-Politiker Lothar Lemper brachte es auf die einfache Formel: „Es macht den Eindruck, dass die Türken lieber unter sich bleiben wollen.“

Kritik, die bei den Veranstaltern und Besuchern kein Verständnis findet. „Das ist ja eine offene Veranstaltung hier“, sagt Postaci. „Und warum hätte man bei den Deutschen mehr werben sollen? Das setzt ja voraus, dass die überhaupt mal Interesse gezeigt hätten.“

Und wirklich: Es ist zumindest zweifelhaft, ob Deutsche scharenweise zum Auftritt eines türkischen Staatschefs geströmt wären, wenn sie per deutschsprachiger Massenplakatierung dazu eingeladen worden wären. Doch darum ging es den Kritikern wohl gar nicht, ihnen ging es um die Geste der Ausgrenzung durch eine fremde Sprache. Integrationspolitik, das zeigt diese kleine Auseinandersetzung einmal mehr, wird zu großen Teilen durch die Form und durch Haltungen bestimmt.

Zum Ende seiner Rede umarmt Erdogan seine Landsleute noch einmal rhetorisch. „Eure Probleme sind auch unsere Probleme“, ruft er ihnen zu. Ein einfacher, ein freundlicher Satz. Ein Satz, den jeder Politiker in jedem Land zu seinen Bürgern, egal welcher Abstammung sagen könnte. Die Botschaft ist: Wir kümmern uns. Es ist selten, dass deutsche Politiker solche Sätze zu den Migranten in diesem Land sagen. Vielleicht würde es schon helfen.

Quelle: www.zeit.de ... »

11.02.2008 1517
Erdogan-Rede - Beckstein kritisiert „nationalistische Töne“

Der bayerische Regierungschef Beckstein hat die Rede des türkischen Ministerpräsidenten in Köln scharf kritisiert. Erdogan fördere die Ghettoisierung in Deutschland, so Beckstein.

Günther Beckstein (CSU) erklärte am Montag im Fernsehsender N24, die Mahnung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, dass die Türken sich in Deutschland nicht assimilieren und ihre Bindung an die Türkei behalten sollten, sei „höchst unerfreulich“ gewesen. Er warf ihm „nationalistische Töne“ vor.

Beckstein sagte: „Das heißt, dass es Ghettoisierungstendenzen auch mit Unterstützung der türkischen Regierung gibt.“ Hierüber müsse „sehr offen und ernst“ mit Ankara gesprochen werden. Der CSU-Politiker betonte: „Das kann nicht so bleiben.“

Beckstein kritisierte zudem, es sei „alles andere als ein guter Stil, wenn ein ausländischer Regierungschef hier praktisch eine interne Veranstaltung in türkischer Sprache macht und sich dann entsprechend feiern lässt“. Erdogan hatte am Sonntag auf einer Großveranstaltung vor rund 16 000 Türken in Köln zwar seine in Deutschland lebenden Landsleute zur Integration aufgefordert. Er warnte aber zugleich vor „Assimilation“.

Ates: Vor der eigenen Tür kehren

Auch die türkischstämmige Rechtsanwältin und Buchautorin Seyran Ates äußerte sich zu Erdogans Aussage, Assimilation sei „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“: „Wenn ein Regierungschef so etwas ausspricht, dann sollte er doch wirklich in sein eigenes Land schauen, wie er andere Minderheiten behandelt und wie Assimilation dort in seinem Land stattfindet. Deshalb ist es sehr widersprüchlich, was er hier kundtut.“ Er sage, wenn es um das Türkisch-Sein gehe, dann sei das gegen die Menschlichkeit. „Aber in der Türkei gibt es sehr viele Minderheiten, ganz explizit das Kurdenproblem, das er noch nicht gelöst hat und auch nicht lösen will, wie es scheint“, so Ates. Dabei habe es sehr viel erzwungene Assimilation gegeben.

Quelle: www.focus.de ... »

11.02.2008 1516
Erdogan-Auftritt - Union kritisiert "nationalistische Töne"

... "Man kann von euch nicht erwarten, euch zu assimilieren."

Nach der Warnung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, Deutschtürken sollten sich nicht assimilieren, äußern sich Unionspolitiker empört. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime hat allerdings kein Verständnis für das deutsche "Beleidigtsein".

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein hat Äußerungen des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan zur Assimilierung von Einwanderern kritisiert. Beckstein sprach im Fernsehsender N24 von nationalistischen und unerfreulichen Tönen.

Erdogan hatte am Sonntag auf einer Kundgebung in Köln gesagt: „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“Dies könne niemand von den im Ausland lebenden Türken verlangen. Beckstein sagte, dies bedeute, „dass es Gettoisierungstendenzen auch mit Unterstützung der türkischen Regierung gibt. Da müssen wir noch einmal sehr offen und ernst mit der türkischen Regierung reden. Das kann nicht so bleiben.“ Es sei zudem kein guter Stil, wenn Erdogan „praktisch eine interne Veranstaltung in türkischer Sprache macht und sich dann entsprechend feiern lässt“.

Der CSU-Politiker wandte sich ebenso wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegen Erdogans Vorstoß nach türkischsprachigen Schulen und Universitäten in Deutschland. Dies würde unterstützen, „dass man sozusagen im türkischen Milieu, im türkischen Getto bleibt“. Stattdessen müsse die Aufgabe lauten: „Werdet gute Staatsbürger in Deutschland, lernt Deutsch, sprecht in euren Familien Deutsch, denn das ist die Voraussetzung, dass man gleiche Bildungschancen hat wie die übrigen Kinder.“

"Am besten, die Kinder sind zweisprachig"

Schäuble sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“: „Dass die Menschen, die auf Dauer hier leben, zunächst einmal Deutsch sprechen müssen, daran kann nicht gerüttelt werden.“ Sonst hätten sie im deutschen Bildungssystem und am deutschen Arbeitsmarkt keine Chance. Gegen einen zusätzlichen Türkischunterricht, auch mit türkischen Lehrern, sei allerdings nichts einzuwenden: „Am besten wäre es, die Kinder wachsen zweisprachig auf.“

Auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte in der Sendung: „Es gibt keine Diskussion, dass die Kinder, die hier aufwachsen, Deutsch sprechen müssen.“
Der Europaabgeordnete Cem Özdemir dagegen bewertete den Auftritt des türkischen Regierungschefs Tayyip Erdogans in Köln als hilfreich für die Integration. Ankara habe begriffen, dass nur eine erfolgreiche Integration von Türken in Deutschland der Türkei auf dem Weg nach Europa helfe, sagte der Grünen-Politiker im WDR. Kritik von Unionspolitikern an Erdogans Äußerungen wies Özdemir zurück. Die deutsche Politik müsse begreifen, dass mit der Öffnung der Türkei in Europa ein Bündnispartner gewonnen werden könne.

Der Grünen-Politiker rief dazu auf, die Zeit für weitere Integrationsbemühungen zu nutzen und mehr türkischstämmige Migranten einzubürgern. Früher hätten türkische Politiker und Medien ein Bewusstsein geschaffen, dass Türken in Deutschland in der Fremde oder auf feindlichem Territorium lebten. „Das ist jetzt nicht mehr der Fall“, konstatierte Özdemir, der auch außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion im EU-Parlament ist. Es sei jedoch klar, dass die Integrationsaufgaben nicht in Ankara gelöst würden: „Auch der beste Einsatz von Erdogan ersetzt nicht eine gute Integrationspolitik.“

"Ja, hier findet eine Parallelgesellschaft statt"

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mayzek, warf der deutschen Politik vor, die Voraussetzungen für den umjubelten Auftritt des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan in Köln geschaffen zu haben. „Ja, hier findet in der Tat so etwas wie eine Parallelgesellschaft statt, aber die verfehlte Integrationspolitik ist mit Schuld daran“, sagte Mayzek der Deutschen Presse-Agentur. Der Zentralrat der Muslime gilt unter den islamischen Organisationen in Deutschland als vergleichsweise liberal.

Erdogan und seine Regierung hätten erkannt, dass es bei den in Deutschland lebenden Türken ein politisches Vakuum gebe, sagte Mayzek. Das wollten sie ausfüllen. „Die türkische Regierung tritt als Schutzmacht auf.“ Dass dies geschehe, sei nicht verwunderlich, da sich die deutschen Parteien für die Türken kaum interessierten. „Ich kann dieses Beleidigtsein, diese Verwunderung nicht ganz nachvollziehen“, sagte Mayzek. Die Türken und die anderen Muslime in Deutschland müssten von der deutschen Politik ernster genommen werden, die Politiker müssten auch mehr Sensibilität zeigen. „Es fehlt das Vertrauen.“

Ungeschickt sei es zum Beispiel gewesen, schon kurz nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen zu verkünden, dass bisher kein fremdenfeindlicher Hintergrund zu erkennen sei. „Ich hätte mir auch gewünscht, dass nach Ludwigshafen die Bundeskanzlerin selbst ihr Beileid bekundet hätte und nicht nur ein Sprecher“, sagte Mayzek. „Die Sache ist aber noch nicht verloren.“ Er verspreche sich viel von verstärkten Integrationsbemühungen.

Quelle: www.welt.de ... »

10.02.2008 1515
Was will Erdogan?

Von Nina Horaczek

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan wird in Köln vor rund 20.000 Anhängern auftreten. Türkischstämmige Politiker sehen das mit gemischten Gefühlen

Es wird ein Riesenspektakel. Kommenden Sonntag pilgern 20.000 Menschen in die Kölnarena, um ihrem Regierungschef zu lauschen. Aber nicht Angela Merkel wird vor den Massen sprechen, sondern Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei. Dass ein Politiker bei einem Staatsbesuch einen Abstecher zu seinen Exil-Landsleuten macht, ist nicht ungewöhnlich. Dass dafür aber eine Riesenhalle angemietet und die Stadt mit türkischen Plakaten zugepflastert wird, schon.

„Es bleibt die Frage, ob Herr Erdogan als Ministerpräsident oder als Parteiführer auftritt“, kritisiert die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün. Für sie offenbart dieser Auftritt das grundsätzliche Problem in der deutschen Integrationsdebatte: „In den USA sagen Zuwanderer „It’s my country“, sogar diejenigen, die nicht Staatsbürger sind“, erzählt die integrationspolitische Sprecherin der SPD, „hier sehen sich viele Leute aber immer noch als Türken fernab der Heimat und genau diese Stimmung bedient Erdogan.“ Der Ministerpräsident gäbe den türkischstämmigen Deutschen das Gefühl, dass die türkische Regierung auch für sie Politik mache. Dies widerspreche dem Integrationsgedanken und verstärke das Gefühl unter den Türkischstämmigen, dass sich die deutsche Politik ohnehin nicht für sie interessiere.

Erdogan nützt die Veranstaltung in Köln wohl auch, um für seine islamisch-konservative „Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung“ (AKP) zu werben. Schließlich soll in der Türkei bald die Briefwahl eingeführt werden. Bislang wurden wahlwillige Türken per Charterflug über die türkische Grenze geflogen, um dort ihr Kreuz zu machen. Ein teures Unterfangen, das nur wenige Stimmen aus Deutschland brachte. Kommt die Briefwahl, können alle etwa 1,7 Millionen Türken bequem mitstimmen.

In der Heimat sei der Politiker, dessen Partei das Kopftuchverbot an Universitäten aufhob, momentan unter Druck, sagt Akgün. „Die Türken in Deutschland sind hingegen eher konservativ.“ Wegen der Briefwahl werde man sich an türkische Plakate hierzulande möglicherweise gewöhnen müssen, sagt Cem Özdemir, Europaabgeordneter der Grünen. Die Plakate seien aber nicht die Ursache, sondern die Folge der mangelnden politischen Einbindung von Migranten. „Über solche Plakate muss sich keiner wundern, der Wahlkämpfe wie den von Roland Koch oder Einbürgerungstests für Muslime gutheißt“.

Hehrere Motive für den Kölnarena-Auftritt des Ministerpräsidenten sieht Bülent Arslan, Vorsitzender des deutsch-türkischen Forums der CDU. Dass die Rede des türkischen Staatsmannes eine Parteiveranstaltung für das Wahlvolk sei, würden nur Deutsche so sehen. „Unter Türken ist das einfach der Auftritt eines populären Politikers“, sagt der CDU-Politiker. Und so eine Veranstaltung würde mehr zum friedlichen Zusammenleben beitragen als die Deutschen vermuten.

„Erdogan wird den Leuten Mut machen, sich zu integrieren“, hofft Arslan. „Auch in seinen früheren Reden hat Erdogan den Leuten immer gesagt, „Deutschland ist eure Heimat, kümmert euch um die Probleme hier“, bestätigt auch Hakki Keskin, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei. „Die Türken brauchen eben eine Führungsfigur“, meint CDU-Mann Arslan, würde sich Merkel in die Kölnarena stellen, hätte das wenig Erfolg. „Aber am allerbesten wäre, wenn Erdogan gemeinsam mit einem Spitzenvertreter der deutschen Politik auftreten würde.“

Von gemeinsamen Auftritten ist bislang nichts bekannt. „Es scheint ja fast so, als ob Erdogan mittlerweile mehr als Integrationsminister in Deutschland fungiert als Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung", sagt Özdemir. Man dürfe sich angesichts von 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund auch einmal fragen, warum es etwa auf Landes- oder Bundesebene immer noch keine Ministerin mit Migrationshintergrund gäbe.

Dafür wartet die Bürgerinitiative „Pro Köln“ schon vor der Kölnarena. Die rechtsextreme Stadt-Organisation nützt den Wirbel um den Auftritt des türkischen Staatsmanns, um ihre für September geplante Konferenz „Nein zur Islamisierung“, zu der rechtsextreme Politiker vom österreichischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache über Filip Dewinter vom belgischen Vlaams Belang bis zu Frankreichs Jean-Marie Le Pen erwartet werden.

Und genau so eine Diskussion würde die üblichen Reaktionen hervorrufen, befürchtet SPD-Politikerin Akgün: „Da kriechen wieder die ganzen Rechtspopulisten aus ihren Löchern und die Türken werden sagen, die Deutschen wollen uns ohnehin nicht haben.“

Quelle: www.zeit.de ... »

10.02.2008 1514
Huber warnt vor „Klein-Türkei in Deutschland“

Angehörige der Opfer von Ludwigshafen hissen auf ihrem Balkon in Gaziantep die türkische Flagge

Der Brand von Ludwigshafen bringt das Thema Integration wieder auf. Innenminister Schäuble will, dass sich Türken stärker in die deutsche Gesellschaft einbringen. CSU-Chef Huber stößt ins gleiche Horn.

Erwin Huber bezeichnete den Vorstoß des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, türkische Gymnasien und Universitäten in Deutschland einzurichten, als „Gift für die Integration“. Dies führe „zu Ghettos und zu einer Klein-Türkei in Deutschland“, sagte der CSU-Vorsitzende der „Bild am Sonntag“.

Huber wies zudem die Äußerung des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, zurück, die Brandkatastrophe von Ludwigshafen erinnere seine Landsleute an die Anschläge von Mölln und Solingen. „Zu einem Zeitpunkt, an dem die Ermittlungen keinerlei Rückschluss auf die Brandursache in Ludwigshafen zulassen, ist es verantwortungslos, Parallelen zu den Anschlägen herzustellen“, sagte Huber. Das sähe Zweitracht und sei „eine schlimme Stimmungsmache gegen Deutschland“.

Schäuble fordert mehr Integration

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rief dazu auf, die Brandkatastrophe von Ludwigshafen zum Anlass für ein stärkeres Miteinander von Türken und Deutschen zu nehmen. Es habe viel Solidarität mit den Opfern gegeben, sagte Schäuble am Samstag im RBB-Inforadio. Dies sollten auch die türkischen Mitbürger anerkennen und mehr Gemeinsamkeiten mit den Deutschen suchen. „Vielleicht wird diese furchtbare Katastrophe – nach den ersten Aufregungen und Übertreibungen und auch Missbrauch im Einzelnen – dazu führen, dass wir enger zusammenrücken.“

Die Menschen türkischer Abstammung sollten „sich nicht in die eigene türkische Welt zurückziehen“, sondern dafür sorgen, dass sie selbst und ihre Kinder die deutsche Sprache lernen. „Deswegen sollten auch nicht immer neue Ehegatten herkommen, die kein Wort deutsch sprechen, die dann wieder diesen Prozess der Isolierung, der Ausgrenzung und am Ende der Benachteiligung und damit die Integrations-Defizite fortsetzen.“

Quelle: www.focus.de ... »
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