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Wednesday, 25. April 2018
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07.02.2008 1478
Spurensuche in Ludwigshafen - Erdogan besucht den Brandort

Nach wie vor ist unklar, ob es sich bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen um ein Unglück oder möglicherweise um Brandstiftung handelt. Seit gestern sind auch türkische Ermittlungsexperten vor Ort. Heute will sich der türkische Ministerpräsident Erdogan selbst ein Bild der Katastrophe machen.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Eigentlich wollte sich der türkische Ministerpräsident bei seinem Deutschlandbesuch erkundigen, wie die Regierung in Berlin die Situation seines Landes im Rahmen der Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union beurteilt. Doch der ursprüngliche Grund der Visite ist durch die Brandkatastrophe von Ludwigshafen überlagert worden.

Recep Tayyip Erdogan wird am Nachmittag den Unglücksort besuchen, und sowohl in Deutschland als auch in der Türkei dürfte man wohl genau darauf achten, wie sich der Gast aus Ankara am Rhein verhält. Was werden die Worte, welche die Gesten des türkischen Regierungschefs sein? Dass Erdogan selbst nach Ludwigshafen kommt, bedeutet, dass der Tod der neun türkischstämmigen Personen in ihrem Heimatland zur Chefsache erklärt worden ist.
Argusaugen auf die Ermittlungen

Ohnehin verfolgt man am Bosporus die Ermittlungen in Deutschland mit Argusaugen. Denn dort herrscht die Angst und die Ungewissheit, dass Ludwigshafen ein zweites Solingen gewesen sein könnte. Entsprechend scharf war gestern der Tenor der Medien. Heute allerdings sind die Töne milder geworden. Das Massenblatt "Hürriyet" schrieb "Menschen Hand in Hand" und zeigt die deutsche Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer und ihren türkischen Kollegen Mustafa Sait Yazicioglu, am Unglücksort.

Weil die Gemüter in der Türkei empfindlich, ja teilweise übersensibel sind, hat Erdogan am Montag die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und Bundesinnenminister Schäuble bei dessen Türkei-Visite bedrängt, auch türkische Fachkräfte an der Aufklärung des Brandes teilnehmen zu lassen. Schäuble sagte "Ja". Denn er sah darin eine Chance, auf diesem Weg mögliche Zweifel und Bedenken von Türken in Deutschland aus dem Weg zu räumen. Seit gestern sind auch vier Sicherheitskräfte zusammen mit Staatsminister Yazicioglu in Ludwigshafen.
Angespannte Situation

Letzterer rieft zur Zurückhaltung auf und warnte vor voreiligen Spekulationen. Dies konnte allerdings nicht verhindern, dass einen Tag zuvor bereits unweit vom Unglücksort türkische Jugendliche einen deutschen Feuerwehrbeamten zusammenschlugen. Dieses hat mittlerweile der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, in aller Form verurteilt. Im SWR sagte Kolat, "ein paar vielleicht Verrückte" hätten die Tat zu verantworten, nicht aber die türkische Bevölkerung insgesamt. Dass zudem an der Außenwand des abgebrannten Hauses gestern auch noch ausländerfeindliche Hetzparolen gefunden wurden, dürfte allerdings die eher angespannte Situation nicht verbessern.

Quelle: www.tagesschau.de ... »

07.02.2008 1477
BRAND IN LUDWIGSHAFEN - Deutsche und Türken fürchten Rückkehr der Feindbilder

Von Ferda Ataman und Jörg Diehl, Ludwigshafen

Lähmende Ungewissheit liegt über dem Land: Nach dem verheerenden Großfeuer in Ludwigshafen hoffen Türken wie Deutsche nur auf diese eine Nachricht: dass es kein Anschlag war. Es gibt vage Hinweise auf eine Brandstiftung, noch aber hüllen sich die Ermittler in Schweigen.

Ludwigshafen - Es sind die leisen Worte eines Überlebenden: Mit zittriger Stimme, die Augen zu Boden gerichtet, mahnt Kamil K., 28, am Abend auf einer improvisierten Pressekonferenz in Ludwigshafen zur Besonnenheit: "Ich weiß auch nicht", so sagt der Musiker, "was das Feuer verursacht hat. Wir müssen die Ermittlungen abwarten. Ich bitte meine Landsleute, nicht den Kopf zu verlieren."

Der gehbehinderte K. war am Sonntagnachmittag von seiner Frau Hülya aus dem brennenden Haus am Danziger Platz gerettet worden. Die 31-Jährige kehrte daraufhin in die Flammenhölle zurück, um die beiden Kinder des Paares ins Freie zu bringen. Doch alle drei starben in dem Gebäude. Sechs weitere Menschen, ebenfalls ausschließlich Frauen und Kinder, kamen ums Leben. 60 Personen wurden verletzt.

K.s beeindruckender Appell an die Vernunft fällt in eine schwierige Zeit. Nachdem türkische Zeitungen gestern Spekulationen veröffentlicht hatten, das Feuer könnte von Neonazis gelegt worden sein, wächst der Druck auf die Ermittler - und die Angst von Türken und Deutschen, dass aus einem Gerücht Wirklichkeit werden könnte (mehr...).

"Es darf um Himmels willen kein Brandanschlag gewesen sein", fleht Yasar Bilgin, der Vorsitzende des Rates der Türkischstämmigen in Deutschland, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Eine solche Tat wäre verheerend für das Zusammenleben von Türken und Deutschen. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht spalten lassen."

Derselben Meinung ist auch Mustafa Baklan, den die von dem Unglück betroffene Großfamilie zu ihrem Sprecher bestimmt hat: "Deutschland ist unsere Heimat. Wir wollen keine Hetzjagd", so Baklan gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir wollen niemanden beschuldigen, sondern müssen die schlimme Situation gemeinsam meistern. Die Deutschen müssen keine Angst vor uns haben."

Prügel für einen Feuerwehrmann

Zuvor war bekannt geworden, dass in der Nacht ein 37-jähriger Türke einen deutschen Feuerwehrmann angegriffen und verletzt hatte. Nach Angaben der Polizei ereignete sich den Vorfall gegen 2 Uhr in einer Gaststätte im Rheinpfalz-Kreis. Ersten Ermittlungen zufolge soll der Mann einen 39 Jahre alten deutschen Gast beleidigt haben, weil er diesen als Mitglied der Feuerwehr Ludwigshafen erkannt hatte.

Als der Wirt den 37-Jährigen daraufhin aus der Kneipe verwies, habe dieser zunächst draußen mehrere Blumenkübel beschädigt, so ein Polizeisprecher. Wenig später sei er erneut in die Kneipe gestürmt, habe den Feuerwehrmann geschlagen und ihn verletzt.

Polizeipräsident Wolfgang Fromm empörte sich daraufhin am Nachmittag, die Polizei müsse womöglich bald Personenschutz für die Feuerwehrleute bereitstellen: "Es geht nicht an, dass diese Menschen beleidigt, bedroht und bespuckt werden." Hier würden "Retter zu Tätern gemacht".

Die Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer, wies am Unglücksort ebenfalls öffentliche Vorwürfe gegen die Feuerwehr zurück. Die Rettungskräfte seien binnen weniger Minuten am Brandort gewesen. Bürgermeister Wilhelm Zeiser sagte, der erste Notruf sei um 16.22 Uhr eingegangen. Nur zwei Minuten später seien die ersten beiden Löschzüge vor Ort gewesen, drei Minuten später weitere sechs Feuerwehrfahrzeuge eingetroffen. Durch den beherzten Einsatz von Polizei und Feuerwehr seien insgesamt 47 Menschen gerettet worden.

Die Ermittler halten weiterhin sowohl einen technischen Defekt als auch fahrlässige oder absichtliche Brandstiftung für möglich. Die beiden Mädchen, die einen Brandstifter gesehen haben wollen, sollen erneut befragt werden. Dann will man über die Erstellung eines Phantombildes entscheiden. Die Polizei wird bei den Ermittlungen von Experten des Bundeskriminalamts unterstützt, darunter "vorsorglich" Vertreter des Staatsschutzes, wie ein BKA-Sprecher sagte.

Ein erster Brandanschlag in 2006

Der Staatsschutz wäre nur dann zuständig, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich bei dem Großfeuer um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt hat.

Wie die Polizei heute bestätigte, wurde das Haus vor dem Brand mit Nazi-Symbolen beschmiert. Neben dem Eingang zu einem türkischen Kulturverein im Erdgeschoss des Gebäudes findet sich zweimal die Aufschrift "Hass" (mehr...).

Auf das Eckhaus war bereits 2006 ein Brandanschlag verübt worden, jedoch entstanden dabei keine größeren Schäden, die Täter wurden nie gefasst. In den neunziger Jahren hatte das Backsteingebäude zeitweise noch das Lokal "Crazy Corner" beherbergt, das in dem Ruf stand, von Skinheads frequentiert zu werden.

Auffällig ist zudem, dass die Umgebung das Danziger Platzes mit rechtsextremen Propaganda-Aufklebern geradezu gepflastert ist. An Laternenmasten, Regenrinnen und Stromkästen kleben die braunen Botschaften. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wohnt darüber hinaus der Neonazi-Führer Matthias H. in unmittelbarer Nachbarschaft des Unglücksortes.

Die Staatsanwaltschaft prüft jetzt nach eigenen Angaben, ob es zu einem "sehr deutlich früheren Zeitpunkt" bereits Drohungen gegen die Bewohner des Unglücksgebäudes gegeben hat. Die Gegend um Mannheim gilt bei den Verfassungsschutzämtern als rechtsextreme Hochburg in den alten Bundesländern. "Jedoch war die Szene bislang überwiegend propagandistisch aktiv und hat noch keine vergleichbaren schweren Straftaten gegen Ausländer verübt", so ein Verfassungsschützer zu SPIEGEL ONLINE.

Eine Nachbarin, die den Brand beobachtet haben will, schließt die kolportierte Anschlagsthese ohnehin kategorisch aus. "Eine Polizeistreife stand die ganze Zeit vor dem Haus", so Marlchen Höltig, 75, zu SPIEGEL ONLINE. "Da konnte doch gar keiner rein, ohne gesehen zu werden."

Quelle: www.spiegel.de ... »

07.02.2008 1476
LUDWIGSHAFEN - Reiz-Reaktion im deutsch-türkischen Komplex

Von Reinhard Mohr

Solingen, Mölln, Rostock-Lichtenhagen: Mit der Brandkatastrophe von Ludwigshafen werden böse Erinnerungen an die neunziger Jahre wach. Die Politik sollte sensibel reagieren: Mit einem deutlichen Zeichen der Anteilnahme - und schneller, gründlicher Aufklärung.

Berlin - Es ist schon seltsam mit uns Deutschen und Türken. Seit Jahrzehnten leben wir zusammen im selben Land, in denselben Städten, in denselben Straßen, manchmal auch in denselben Häusern. Wir sprechen sogar oft dieselbe Sprache, zugegeben: nicht immer perfekt, aber wir verstehen uns. Wir treffen uns im Gemüseladen, im Restaurant und im Zeitungskiosk, beim Döner in Duisburg und am Strand von Antalya. Manchmal auch ganz unten, wie Günter Wallraff, der "Ali" war und im Flöz schuftete wie ein Türke. Ganz oben fliegt derweil ein anderer Türke, der erfolgreiche Reiseunternehmer Vural Öger, die Deutschen in den Urlaub.

Kaya Yanar machte Türkischdeutsch zur gefeierten Comedy-Sprache, über die Deutsche wie Türken lachen. Längst haben viele Türken zudem einen deutschen Pass, und bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 wehten schwarzrotgoldene Fahnen an vielen türkischen Geschäften.

Jenseits dieser Normalität des zivilen, alltäglichen Zusammenlebens gibt es auch jede Menge Probleme im weiten Feld zwischen Familie und Schule, Arbeitslosigkeit und Straßengewalt. Aber es existiert ein wachsendes Bewusstsein darüber, dass diese Konflikte hier, in unserer gemeinsamen Gesellschaft, gelöst werden müssen und nicht durch Stigmatisierung, Ausgrenzung und Abschiebung. Das spektakuläre Scheitern der ressentimentgeladenen Wahlkampagne von Roland Koch war deshalb ein gutes Signal.

Kaum aber kommt es zu einer Katastrophe wie dem mörderischen Brand des ausschließlich von türkischen Familien bewohnten Hauses in Ludwigshafen, melden sich dröhnend die Reiz-Reaktionsmuster des deutsch-türkischen Komplexes zurück.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck eilt an den Ort des schrecklichen Unglücks und äußert als erstes, ein Brandanschlag könne praktisch ausgeschlossen werden. Die Ermittlungen haben kaum begonnen, aber das weiß er schon mal. Unverkennbar, wie hier, nicht nur unbewusst, die nackte Angst regiert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Auf der anderen Seite mutmaßen türkische Zeitungen umgehend über Brandstiftung durch Neonazis: "Ist das etwa ein neues Solingen?" fragte "Hürriyet", und andere Zeitungen beklagen sich schon über das angeblich viel zu späte Eintreffen der Feuerwehr. Der türkische Botschafter kritisiert Becks voreilige Verneinung eines politisch-kriminellen Hintergrunds, und aus Ankara reist eigens eine türkische Untersuchungskommission samt Staatsminister an den Tatort in Ludwigshafen. Innenminister Schäuble seinerseits verkündet, er wolle dem türkischen Botschafter demnächst mal "Manieren beibringen" und beschwert sich über das Misstrauen, das der deutschen Polizei entgegengebracht werde.

Raus aus dem Komplex, rein in die Wirklichkeit

Ganz offensichtlich laden sich hier gegenseitige Ängste und Vorurteile auf, die aus einiger Tiefe hervorquellen. Zuletzt hatte die Affäre um den Deutschen Marco Weiss, dem die Vergewaltigung einer jungen Engländerin vorgeworfen wurde, deutsch-türkische Verwerfungen erzeugt. In diesem Fall war es deutsches Misstrauen gegenüber der türkischen Justiz, das den Konflikt zum Politikum machte. Die Türken wiederum reagierten beleidigt und ließen die Sache, zum Nachteil von Marco, der monatelang in der Untersuchungshaft schmoren musste, umso gemächlicher angehen.

Selbstverständlich erinnert die Ludwigshafener Brandkatastrophe unwillkürlich an jene Zeit Anfang der neunziger Jahre, als in Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen und anderen Orten ein ausländerfeindlicher, rassistischer Mob Brandstiftung, schwerste Körperverletzung und vielfachen Mord beging. Die Täter waren Skinheads und Neonazis, aber auch dumpfbackige Spießer und Gaffer, die im Jogginganzug und mit der Bierflasche in der Hand zuschauten.

Trotz aller Lichterketten und mannigfachen Protestaktionen aus der Bevölkerung heraus fehlte damals ein klares, unmissverständliches Signal der politische Spitze: Helmut Kohl ging nicht nach Solingen, nicht nach Mölln, nicht nach Rostock-Lichtenhagen. Stattdessen wiederholte er im Fernsehen gebetsmühlenhaft seine Überzeugung, Deutschland sei "kein ausländerfeindliches Land".

Darum ging es aber gar nicht. Es ging darum, sich der Wirklichkeit solcher rassistisch motivierter Anschläge mitten in Deutschland zu stellen und sie am Ort des Geschehens, sichtbar für alle und symbolisch bedeutsam, als eklatanten Tabubruch zu brandmarken, der mit schärfsten Sanktionen verfolgt wird.

Nicht nur deutschen, sondern auch türkischen Zeitgenossen erschien damals diese Art des bräsigen Drumherumredens peinlich und unangemessen, und die politischen Entlastungsangriffe auf "linke Multikultiträumer" machten es nicht besser. Gerade bei vielen Deutsch-Türken, und auch in der Türkei selbst, konnte so der Eindruck entstehen, die Angelegenheit werde mit Floskeln abgetan, während den hässlichen Rest Polizei und Justiz erledigten. Business as usual.

Merkel sollte den Brandort besuchen

Und tatsächlich könnte man sich die umgekehrte öffentliche und politische Erregung und die Größe der "Bild"-Schlagzeilen gar nicht ausmalen, wenn etwa deutsche Touristen unter vergleichbaren Umständen in der Türkei ums Leben kämen.

So ist die akute Empfindlichkeit der türkischen Öffentlichkeit eben auch ein Reflex jener Kränkungen, die aus dieser Zeit rühren. Die unausgesprochene Botschaft: Ein toter Türke zählt nicht viel, jedenfalls viel weniger als ein toter Deutscher. Dass dahinter noch ganz andere Kränkungen – Stichwort: EU-Beitritt – schlummern, verschärft die transnationale Gefühls-Gemengelage noch. Die Kehrseite solcher Minderwertigkeitsgefühle, ein überzogener türkischer Nationalismus, ruft dann zuverlässig wieder die andere Seite auf den Plan.

Gegen all das gibt es nur ein Mittel. Es macht die Toten nicht mehr lebendig, aber es hilft uns allen: Möglichst schnelle und gründliche Aufklärung des Geschehens. Hier hat absolut niemand etwas zu verbergen – außer den möglichen Tätern.

Eine prominente Äußerung der Bundeskanzlerin, am Ende womöglich gar ein Besuch samt Treffen mit dem türkischen Kollegen, wären sehr hilfreich.

Motto: Raus aus dem Komplex, rein in die Wirklichkeit.

Quelle: www.spiegel.de ... »

06.02.2008 1475
Österreich - Etwa 1000 Grundwehrdiener sind Muslime

Die kleinste Glaubensgruppe bilden Österreicher serbisch-orthodoxen Glaubens

Jährlich 28.000 bis 30.000 Männer leisten den sechsmonatigen Grundwehrdienst in Österreich. Seit zehn Jahren können auch Frauen eine Karriere beim Militär anstreben, ihr Grundwehrdienst heißt Ausbildungsdienst, weil er nicht verpflichtend ist.

310 Frauen sind derzeit im Einsatz, 13 von ihnen im Ausland. Eine Soldatin muslimischen Glaubens ist zurzeit nicht dabei.

Etwa 1000 Grundwehrdiener sind Muslime. Die kleinste Glaubensgruppe bilden Österreicher serbisch-orthodoxen Glaubens mit 250 Rekruten, die größte Gruppe bilden Katholiken mit 15.600. Evangelisch sind 700 bis 800 Soldaten, 505 sind konfessionslos.

Das Bundesheer plant, ab 2008 zwei Imame zu beschäftigen. Wann der eine in Ost- und der andere in Westösterreich zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. (mil/ DER STANDARD Printausgabe 7.2.2008)

Quelle: derstandard.at ... »

06.02.2008 1474
Österreich - Muslime, integriert im Bundesheer

Rekruten mit Bart und Turban, hier ein Sikh, sind ein eher ungewöhnlicher Anblick beim Bundesheer. Wollen österreichische Soldaten ihren Glauben ausüben, so können sie das!

In der Maria-Theresien-Kaserne können die Soldaten zu Gebets-Zeiten den Dienst unterbrechen und werden auch anders verköstigt.

Erstmals in Österreich gab es eine Kader-Fortbildung zum Thema Religionsgemeinschaften und Integration beim Bundesheer. Das Militärkommando Wien, der Veranstalter, hat hier Vorbildwirkung: In der Maria-Theresienkaserne gibt es auch den europaweit einzigen islamischen Gebetsraum. Von Marijana Miljkovic

***

Wien – Nicht stramm stehen, aber auch nicht gemütlich sitzen hieß es für ungefähr 100 Offiziere und Unteroffiziere am Mittwoch in der Maria-Theresienkaserne in Wien-Hietzing, als das Militärkommando Wien eine interne Kaderfortbildung zum Thema Migration, Integration und Minderheiten(politik) veranstaltete. Der Grund für die erste Fortbildung dieser Art in Österreich war, über die größten Religionsgemeinschaften in Österreich zu informieren und Bewusstsein für die Vielfalt in der Bevölkerung zu schaffen.

"Ohne Zuwanderung wird Europa nicht funktionieren", sagte Gastgeber Militärkommandant Franz Reißner. Der demographische Wandel bilde sich auch im Bundesheer ab. Seiner Einladung zur Diskussion folgten der katholische Militärseelsorger Harald Tripp und seine evangelische Kollegin Susanne Baus sowie Mouddar Khouja von der islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ).

Der Tenor der Theologen, die bemüht waren, auf die Trennung von Islam (Religion) und Islamismus (politische Bewegung) hinzuweisen, war, den offenen Dialog zu suchen. "Dialog ist zwar kein Allheilmittel, aber notwendig", sagte Tripp. Vor allem, seit Integrationsthemen, die gemeinhin als "Ausländerproblem" bezeichnet wurden, seit dem 11. September 2001 das "Islam-Problem", seien.

Imame im Bundesheer

Das österreichische Militär könnte im ersten Quartal 2008 zwei islamische Seelsorger bekommen. Über ihre Verträge verhandelt das Verteidigungsministerium noch mit der IGGiÖ. Ihr Einsatzgebiet steht schon fest: Ein Imam wird in Salzburg und somit für den Westen zuständig sein, ein anderer in Wien für den Osten.

Über den Migrationshintergrund der Rekruten, die als österreichische Staatsbürger den Präsenzdienst leisten müssten, kann das Bundesheer keine Angaben machen, sehr wohl aber über die Glaubenszugehörigkeit seiner Soldaten (siehe Wissen: Bekenntnisse der Rekruten). Auf die Bedürfnisse der muslimischen Grundwehrdiener hat sich die Maria-Theresienkaserne als einzige in Europa schon eingestellt: Vor vier Jahren wurde ein Gebetsraum eröffnet. Die Soldaten können zu den Gebetszeiten ihren Dienst unterbrechen und werden auch anders verköstigt.

Das ist derart ungewöhnlich, dass vor einigen Tagen auch ein arabisches Fernsehteam von NBC anrückte, um diese Besonderheit zu dokumentieren, erzählt Reißner. Der Gebetsraum musste sogar um ein Zimmer erweitert werden, weil es vor allem Freitags zu eng wurde, erzählt Atila Külcü, Zivilangestellter beim Bundesheer; er hatte den Bau des Gebetsraums initiiert. 50 Soldaten muslimischen Glaubens aus ganz Österreich sind derzeit in Wien-Hietzing stationiert, bundesweit kommen 1000 muslimische Rekruten jährlich zum Bundesheer.

Keine blöden Bemerkungen

Daha Radwan, gebürtiger Österreicher mit ägyptischen Wurzeln, ist in der 2. Betriebsversorgungsstelle, sprich Küche, tätig. "Es freut mich wirklich, dass es einen Gebetsraum gibt", sagt der 19-jährige gläubige Wiener. Sein Kamerad Maqsood Lodin trägt einen Bart, was im Bundesheer eigentlich verboten ist. Als Teil der Religion ist es dem praktizierenden Muslimen – aber auch den Sikhs – erlaubt. Zu seiner Religionszugehörigkeit gibt es vonseiten der anderen Rekruten keine blöden Bemerkungen oder Unverständnis: "Im Gegenteil: Wenn ich im_Zimmer meine Gebete verrichte, gehen sie aus dem Zimmer oder verhalten sich leise", erzählt der 18-Jährige, der mit seinen_Eltern aus Afghanistan nach Österreich kam. Für den Grundwehrdiener in der Garde war es klar, dass er zum Bundesheer kommt: "Mein Vater war selbst Soldat", sagt der junge Mann.

Selbstverständliches Angebot

Die Angebote für die Muslime seien "selbstverständlich", sagte Franz Reißner. Was die Integration der Rekruten jeden Glaubens betrifft, so wünscht er sich, dass Mehrsprachigkeit und die unterschiedliche Herkunft bewusst eingesetzt würden. "Als wir Gäste aus Mittel- und Osteuropa hatten, haben wir sofort Rekruten gefunden, die uns dolmetschen konnten", sagt Reißner. Einer sprach neben Deutsch auch Türkisch, Tschechisch und Ungarisch. "Und da gibt es in unseren Reihen noch Leute, die auf diesen _19-Jährigen herabschauen", wundert sich der Brigadier.

Mit diesem Potenzial könnten Soldaten den sozialen Aufstieg über die Militärskarriereleiter schaffen, sagt er. Doch noch wackelt beim Bundesheer auf seinen Vorschlag noch niemand mit den Ohren: "Das ist ein mühsamer Prozess", sagt Reißner. Bei manchen Rekruten habe es mit den Sprachkenntnissen gehapert, für diese wurden Deutschkurse angeboten. "Weil in der Freizeit angeboten, wurden sie leider nicht angenommen", erzählt der Militärkommandant. (DER STANDARD Printausgabe 7.2.2008)

Quelle: derstandard.at ... »
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