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Tuesday, 24. April 2018
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06.02.2008 1473
Großveranstaltung gegen „Islamisierung“

Jean-Marie Le Pen soll in Köln sprechen.

Köln - Die rechtsextreme Organisation „Pro Köln“ plant unter dem Motto „Nein zur Islamisierung“ eine Großveranstaltung mit ultrarechten Politikern aus ganz Europa für den 19. und 20. September. Dies berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag-Ausgabe). Eine Genehmigung der Veranstaltung, für die am Rheinufer ein Festzelt für 1000 Personen gebaut werden soll, sei schon beantragt worden, bestätigte Polizeisprecher Jürgen Laggies. Als Redner sollen unter anderem die Vorsitzenden der österreichischen FPÖ und des belgischen Vlaams Belang auftreten. Für die Front National soll der französische Nationalist Jean-Marie Le Pen sprechen. (ksta)

06.02.2008 1472
Spurensuche in Ludwigshafen - Ermittler schließen Brandanschlag nicht aus

Die Ruine nach dem veheerenden Brand in Ludwigshafen, bei dem am 03.02.08 neun Menschen ums Leben kamen, darunter fünf Kinder.

Nach dem verheerenden Brand in einem Ludwigshafener Wohnhaus mit neun Todesopfern schließen Ermittler einen Brandanschlag nicht aus. Zwei türkische Mädchen hätten den Ermittlern berichtet, einen mit Feuer hantierenden Mann am Brandort gesehen zu haben, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Außerdem sei an dem von türkischen Familien bewohnten Haus zweimal das Wort "Hass" mit SS-Runen auf die Wand geschmiert worden. Türkische Medien spekulierten unterdessen über einen möglichen fremdenfeindlichen Brandanschlag.

"Beobachtungsvorgang" bei der Bundesanwaltschaft

"Wir können derzeit keinerlei Brandursache ausschließen, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig. Bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wird der Brand als "Beobachtungsvorgang" eingestuft. Es gebe aber noch keinen Hinweis darauf, dass die Bundesbehörde zuständig sein könnte, sagte eine Sprecherin. Liebig erklärte, die Polizei gehe davon aus, dass der neonazistische Schriftzug vor dem Brand angebracht worden sei.

Erstmals konnten Experten das fast völlig zerstörte Gebäude betreten. Außerdem suchten Spürhunde das Gebäude ab. Das habe aber bislang "keine wesentlichen Erkenntnisse gebracht", sagte Liebig. An den Ermittlungen in Ludwigshafen sind auf Wunsch der türkischen Regierung auch vier türkische Experten beteiligt.

Mahnung zur Besonnenheit

Der türkische Staatsminister für die im Ausland lebenden Türken, Mustafa Said Yazicioglu, rief bei einem Besuch der Unglücksstelle seine Landsleute in Deutschland zur Besonnenheit auf. Die deutschen Ermittler täten alles, um die Brandursache zu klären, sagte er türkischen Fernsehsendern. "Auch die Deutschen sind wegen der Ereignisse aufgebracht", ergänzte Yazicioglu. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan wird während einer Deutschland-Reise nach Ludwigshafen kommen und nach Angaben eines Polizeisprechers gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck den Unglücksort besuchen.

Feuerwehr sieht sich Anfeindungen ausgesetzt

Unterdessen sieht sich die Feuerwehr wachsenden Anfeindungen ausgesetzt, nachdem türkische Medien den Rettern vorgeworfen hatten, zu spät am Brandort gewesen zu sein. Nach Angaben der Stadt waren zwei Minuten nach dem Alarm die ersten Feuerwehrkräfte dort. Nach Angaben der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, ist ein Feuerwehrmann von türkischen Jugendlichen geschlagen worden. Zu der Attacke gegen den Helfer, der an dem Einsatz am Sonntag beteiligt gewesen sein soll, sei es in der Nacht zum Mittwoch in Ludwigshafen gekommen. Die Feuerwehr habe bei der Polizei Antrag auf Personenschutz gestellt.

Angeblich fremdenfeindliche Drohungen

In der Türkei berichtete die konservative Zeitung "Zaman" unter Berufung auf Angehörige der Brandopfer von fremdenfeindlichen Drohungen gegen die Bewohner des Hauses. Diese seien eingegangen, nachdem im Erdgeschoss ein türkisches Kaffeehaus eröffnet worden sei. Auf das selbe Wohngebäude war schon im August 2006 ein Brandanschlag verübt worden. Die Täter wurden nie gefasst.

Quelle: www.tagesschau.de ... »

06.02.2008 1471
Ein neues Solingen?

Von Nina Horaczek

Während sich die Polizei bemüht, die Ursachen für den Brand in Ludwigshafen zu finden, bei dem neun Türken starben, werden unter den Türken böse Erinnerungen geweckt.

Die Feuerwehr sei schuld gewesen. Die sei zu spät da gewesen. Und dann auch noch mit dem falschen Gerät. Und die Polizei, die immer noch nicht sagen könne, wieso es gebrannt hat. Und die nun die Ermittlungen verschleppe. „Das ist das, was mir die türkischen Leute erzählen“, sagt Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland.

Seit dem verheerenden Brand in einem von Türken bewohnten Mietshaus in Ludwigshafen, bei dem am Sonntag neun Menschen starben, darunter fünf Kinder, und 60 verletzt wurden, kochen unter den Türken in Deutschland, aber auch in der Türkei die Emotionen hoch. Ein Feuerwehrmann wurde in Ludwigshafen bereits von türkischen Jugendlichen zusammengeschlagen.

Jetzt, wo der erste große Schock vorbei ist, kommen die Verdächtigungen, obwohl die Brandursache noch völlig unklar ist. Kein Wunder. Wer kann schon – als direkt oder auch mittelbar Betroffener (und in der türkischen Gemeinschaft fühlen sich die meisten so) - verstehen, dass es wenige Tage nach so einer Katastrophe immer noch keine Schuldigen gibt? Vor allem, wenn man, wie viele Türken, das Gefühl hat, die Bilder, die in den vergangenen Tagen durch die Medien geisterten, alle schon einmal gesehen zu haben. Das Foto des jungen Mannes, der seinen elf Monate alten Neffen aus dem von Rauchwolken umgebenen Fenster warf, direkt in die Arme eines Polizisten.

Sofort waren sie wieder da, die Erinnerungen. An die Stadt Solingen, wo Rechtsradikale vor 15 Jahren das Wohnhaus der Familie Genc mit Molotowcoctails in Brand setzten. Zwei Frauen und drei kleine Mädchen mussten damals ihr Leben lassen. Oder an Mölln, wo 1992 gleich zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser in Flammen standen. Drei Türkinnen starben dort. Noch während der Löscharbeiten gab es damals Bekenneranrufe bei der Polizei. „Heil Hitler!“ schrien sie ins Telefon. Die anonymen Anrufer konnten bis heute nicht ermittelt werden.

Und jetzt, eineinhalb Jahrzehnte später, dasselbe in Ludwigshafen? Auch hier gab es schreckliche Szenen. Eben erst war der bunte Fastnachtszug durch die Straße beim Danziger Platz gezogen. Plötzlich stand ein Wohnhaus lichterloh in Flammen. Drinnen verzweifelte Menschen, die sich nicht aus den Flammen retten konnten, Frauen und Kinder, die verbrannten oder erstickten. Draußen auf der Straße Schaulustige, teils immer noch in ihrer Fastnachtskleidung, auf einem Parkplatz direkt gegenüber dem Haus versammelt.

Was genau am Sonntagnachmittag um 16.23 Uhr in dem vierstöckigen Haus am Danziger Platz 32 passierte, kann noch keiner sagen. Das Feuer hat das Gebäude so stark beschädigt, dass der einsturzgefährdete Bau erst gesichert werden musste, bevor die Ermittler Dienstag früh erstmals an den Brandort durften. Nur ein kleines Mädchen berichtete von einem Mann, den sie im Stiegenhaus beobachtet habe. „Der hat mit einem Feuerzeug ein Stöckchen angezündet und das dann neben dem Kinderwagen in den Flur geworfen“, erzählte sie einem RTL-Reporter. Bestätigungen dafür gibt es bislang nicht.

Wie lange es dauern wird, bis die Brandursache eindeutig feststeht, möchte bei der Ludwigshafener Polizei niemand vorhersagen. Man bitte um Geduld, heißt es.

Geduld fordert auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün. Und rasche Ermittlungen: „Es ist das Allernotwendigste, dass wir schnell Gewissheit haben, was die Brandursache war.“ Denn die Menschen hätten die Ereignisse in Deutschland Anfang der Neunzigerjahre nicht vergessen, als die Fremdenfeindlichkeit hochkochte und Ausländer von einem Tag auf den anderen mit Mordanschlägen konfrontiert waren. „Das ist in ihrem kollektiven Bewusstsein gespeichert, und das Erste, was ihnen in den Sinn kommt, wenn es irgendwo wieder brennt, ist ein ausländerfeindlicher Anschlag“, meint die Psychologin, die einst als Krisenhelferin in Solingen im Einsatz war.

Den türkischen Medien fehlt die Geduld. Sie spekulierten sofort. „Ist das ein neues Solingen?“, fragten sie. Hürriyet, das auflagenstärkste Blatt auch unter den Türkischstämmigen in Deutschland, sprach von einem „Verdacht auf Neonazis“ – ohne Belege zu nennen. „Wir wollen kein neues Solingen erleben“, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan der Zeitung. Das Konkurrenzblatt Sabah titelte mit „Nazi-Verdacht“, Yeni Safak taufte die polizeiliche Ermittlungskommission gleich in „Nazi-Kommission“ um. Selbst die Tatsache, dass in der Nähe des Brandorts ein türkenfeindliches Graffiti an einer Wand entdeckt wurde, in Deutschland nicht unbedingt eine Besonderheit, wurde als Indiz für Brandstiftung gewertet.

„Die Berichterstattung in den türkischen Medien ist tendenziös und unverantwortlich. Da wird sofort mit den Gefühlen der Menschen in Erinnerung an die Attentate in Solingen oder Mölln gespielt“, kritisiert der WDR-Redakteur Birand Bingül.

Mit dieser Emotionalisierung ohne Fakten treffen die türkischen Medien direkt den wundesten Punkt in der deutsch-türkischen Geschichte. Solingen ist längst eine Chiffre, ein „Teil der türkischen Einwanderungsgeschichte“, wie es der Journalist Bingül nennt. Nach Solingen hätten viele gesagt, hier habe Deutschland seine hässlichste Fratze gezeigt. Und das nicht im Osten, sondern im Westteil des Landes, wo man es nicht erwartet hatte und wo viele Türken leben und sich direkt bedroht fühlten. Solingen sei ein Bruch gewesen im deutsch-türkischen Verhältnis. „Jetzt habt ihr gesehen, wie die Deutschen tatsächlich sind“, hätten die Populisten, die Nationalisten und auch die Islamisten den türkischstämmigen Menschen gesagt, meint Bingül. Und sie hätten die rechtsextremen Übergriffe geschickt für ihre Propaganda eingesetzt.

Aber noch etwas kam jetzt gleich wieder hoch unter den Türken in Deutschland, als sie die Bilder sahen. „Neun Türken wurden lebendig verbrannt. Danke Koch, Danke Frau Merkel, danke Bild-Zeitung!“, schrieb ein Besucher auf der Internetseite der Zeitung Hürriyet. Er spielte damit auf den Wahlkampf des CDU-Politikers in Hessen an, in dem mit ausländerfeindlichen Klischees gearbeitet wurde. „Die einen reden, die anderen handeln“, heiße es in der türkischen Community, sagt die SPD-Abgeordnete Akgün. Das Gefühl, man sei ohnehin Opfer und Ziel von Angriffen, habe sich in den Köpfen festgesetzt.

Auch Kenan Kolat hat die Bilder von Solingen vor Augen, wenn er an das Feuer in Ludwigshafen denkt. Traurigkeit und Hilflosigkeit, aber auch das Gefühl, die Brandkatastrophe hätte verhindert werden können, seien in der türkischen Gemeinde verbreitet. „Es gibt aber auch nachdenkliche Stimmen, die sagen, lasst uns doch erst einmal abwarten, was wirklich die Ursache war.“ Selbiges wünscht er sich von den Volksvertretern. „Die Politiker auf beiden Seiten sollen sich zurückhalten und nicht gleich eine Staatskrise hervorrufen“, fordert der Vorsitzende der türkischen Gemeinde.

Aber ausgerechnet in der Politik ist die Bereitschaft, die Polizei erst einmal ihre Arbeit machen zu lassen und erst zu richten, wenn klar ist, was an jenem Nachmittag am Danziger Platz passiert ist, besonders gering. Noch bevor die Experten den Brandort besichtigen konnten, schloss der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Chef Kurt Beck bereits einen fremdenfeindlichen Hintergrund aus. Und gab damit den Betroffenen das Gefühl, dass das Ergebnis schon vor Abschluss der Brandermittlungen feststehe.

Die türkische Politik reagierte prompt. Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu reiste extra nach Deutschland, um den Brandort zu besichtigt. Die Türkei möchte die Brandstelle nun von ihren eigenen Experten untersuchen lassen. Ein Signal, nicht nur in Richtung der Türken in Deutschland, sondern auch in Richtung türkischer Innenpolitik. „Egal, was die deutsche Regierung macht, ihr gehört zu uns und wir kümmern uns um euch“, soll damit ausgedrückt werden. Und so kann die türkische Regierung unter dem islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Erdogan auch verhindern, der rechtsextremen Oppositionspartei MHP im eigenen Land eine Angriffsfläche zu bieten.

Was bleibt, ist eine Stadt, die die Katastrophe zwar nicht verhindern konnte, die sich aber redlich bemüht. Die Feuerwehr war bereits zwei Minuten nach Eintreffen des Notrufs vor Ort, schneller, als dies normalerweise der Fall ist. „Weil Fastnacht war, hatten wir unsere Wagen nicht in der Garage, sondern gleich in der Nähe in der Innenstadt positioniert“, sagt die Sprecherin der städtischen Feuerwehr.

Eine fünfzigköpfige Sonderkommission durchforstet das Gelände. Spürhunde durchsuchen das Haus nach Hinweisen auf eine Brandlegung. Die Oberbürgermeisterin kümmere sich persönlich um die Opfer, erzählt der Vorsitzende der türkischen Gemeinde, die Ludwigshafener kommen aus Solidarität zur Unglücksstelle. „Gestern war eine ältere deutsche Frau bei mir, die hat geweint“, erzählt Kolat.

Die Stadt stellte sofort Hotelbetten für die obdachlos Gewordenen zur Verfügung und richtete ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen ein. Binnen kürzester Zeit wurden mehr als 32.000 Euro gespendet. Künstler organisieren Solidaritätsveranstaltungen, der FC Kaiserslauten lud die Fans unmittelbar nach dem Brand zum Benefizkicken für die Hinterbliebenen ein. Was ebenfalls bleibt, sind jedoch Politiker und Medien, die anstatt auf Fakten zu setzen, mit Stimmungen operieren.

Quelle: www.zeit.de ... »

06.02.2008 1470
Ludwigshafen - Ermittlungen von türkischem Misstrauen begleitet

Nach dem Wohnhausbrand von Ludwigshafen wehrt sich die Polizei gegen Kritik und gegen den Einsatz türkischer Ermittler. An der Brandruine fanden sich Nazi-Schmierereien, und ein Türke griff einen Feuerwehrmann an.

"Wir können derzeit keinerlei Brandursache ausschließen“, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig, am Mittwoch. Zwei türkische Mädchen hätten den Ermittlern bestätigt, einen mit Feuer hantierenden Mann am Brandort gesehen zu haben. Liebig bestätigte, dass Ermittler am Eingang des Hauses zweimal das Wort „Hass“ mit SS-Runen geschrieben entdeckt hätten. Die Polizei geht davon aus, dass der Schriftzug bereits vor dem Brand angebracht wurde. Bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wird der Brand als „Beobachtungsvorgang“ eingestuft. Es gebe aber noch keinen Hinweis darauf, dass die Bundesbehörde zuständig sein könnte, sagte eine Sprecherin.

Polizisten gegen Einsatz türkischer Ermittler

Erstmals konnten am Mittwoch Brandexperten das fast völlig zerstörte Haus betreten. Außerdem suchten Brandmittelspürhunde das Gebäude ab. Das habe aber bislang „keine wesentlichen Erkenntnisse gebracht“, sagte Liebig. An den Ermittlungen in Ludwigshafen sind auf Wunsch der türkischen Regierung inzwischen auch vier türkische Experten beteiligt.

Der Vorsitzende des Bundes der Kriminalbeamten, Klaus Jansen, sagte der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag: „Dass die Türken jetzt eigene Ermittler schicken, ist völlig unüblich. Wir haben eine Sonderkommission mit 50 qualifizierten Beamten vor Ort.“ Jansen meinte: „Es war völlig berechtigt, dass sich die Türken seinerzeit eine Einmischung in den Fall Marco verbeten haben. Aber jetzt sollten sie sich auch bitte nicht in diesen Fall einmischen.“ Auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, betonte: „Es gibt für niemanden den geringsten Anlass, der deutschen Polizei zu misstrauen.“

Türke greift Feuerwehrmann an

Die Ermittler wiesen Vorwürfe gegen sich entschieden zurück. Am frühen Morgen hatte ein 37-jähriger, in der Türkei geborener Mann laut Polizei in einem Lokal einem Feuerwehrmann Vorhaltungen gemacht und geschlagen. Polizeipräsident Wolfgang Fromm sagte, die Polizei müsse inzwischen Personenschutz für die Feuerwehrleute bereitstellen: „Das dürfen wir nicht hinnehmen.“

Die Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer (CDU), traf den türkischen Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu vor der Brandruine und legte auch im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Kranz für die Opfer nieder. Böhmer betonte: „Die Feuerwehr war binnen weniger Minuten am Brandort.“

Die Untersuchung des Gebäudes, die am Mittwochnachmittag begann, wird nach Angaben von Staatsanwalt Liebig ein bis zwei Tage in Anspruch nehmen.

Quelle: www.focus.de ... »

06.02.2008 1469
Brand in Ludwigshafen - Tränen, Hass und mahnende Worte

Nach dem Brand in einem von Türken bewohnten Haus in Ludwigshafen ist die Stimmung angespannt - bei der Feuerwehr, bei Deutschen und Türken.

Von Bernd Dörries

Murat Isik steht vor dem ausgebrannten Haus am Danziger Platz. Er hat die schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trägt die blaue Uniform der Feuerwehr. Neben ihm rattert ein Stromaggregat und vor ihm steht ein Pulk türkischer Journalisten, Bürger und Vertreter von Vereinen.

Gerade noch hat sein Chef gesagt, der Herr Isik sei derzeit einer seiner wichtigsten Männer. Es geht dabei nicht darum, einen Brand zu löschen. Zumindest nicht den ihm Haus hinter ihm.

"Vier Minuten", sagt Murat Isik immer wieder. Mal im Pfälzer Dialekt, mal auf Türkisch. So lange habe die Feuerwehr gebraucht, um nach dem ersten Notruf am Unglücksort zu sein. Dann hebt er die Hand, spreizt vier Finger ab und schaut den Menschen vor ihm in die Augen. Murat Isik tut sein Bestes, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Obwohl hinter ihm schon lange kein Feuer mehr brennt.

Vier Tage sind nun vergangen nach dem Brand, bei dem am Sonntag neun Menschen ums Leben kamen, Türken, die in dem Haus am Danziger Platz gewohnt haben, unter ihnen auch solche der alevitischen Minderheit.

Vier Tage sind vergangen und hinter den Absperrgittern wartet eine Menschenmenge auf Antworten, die es bisher nicht gibt. Vor allem in der türkischen Boulevardpresse war der Feuerwehr von Ludwigshafen vorgeworfen worden, zu spät am Unglücksort gewesen zu sein. Seitdem ist ihr Chef Peter Friedrich vor allem damit beschäftigt, das Gegenteil zu beweisen.

Es war einfach zu viel

Friedrich hat die Zeiten in den Computern der Einsatzzentrale nachgerechnet und ist auf vier Minuten gekommen, länger hätten die großen Löschzüge zum Einsatzort nicht gebraucht. Nicht 20 Minuten wie mancherorts behauptet wurde. Auch am Mittwoch redet Friedrich wieder auf die Menschen ein, erzählt, dass seine Leute ihr Leben riskiert hätten um anderes zu retten. Er sagt das noch sehr ruhig. Etwas später bricht er in Tränen aus und geht die Straße hinunter, Oberbürgermeisterin Eva Lohse nimmt ihn in den Arm. Es war einfach zu viel in den vergangenen Tagen.

Am frühen Mittwochmorgen war ein 49-Jähriger Feuerwehrmann in Ludwigshafen von einem türkischen Mann zusammengeschlagen worden. Zuvor hatte er dem Feuerwehrmann vorgeworfen, seine Kollegen seien zu spät gekommen, sagt ein Polizeisprecher. Die Stimmung ist angespannt in Ludwigshafen. Bei der Feuerwehr, bei Deutschen und Türken.

Es gibt aber auch Menschen wie Adnan Kaplan, die versuchen, zu beruhigen. Kaplan kannte viele, die in dem Haus gewohnt haben. Er sagt, er sei zum Unglücksort gekommen, um sich bei der Feuerwehr zu bedanken und bei den Behörden, die ihre Hilfe angeboten haben.

Vor der Ruine hinter ihm packt das Technische Hilfswerk seine Ausrüstung zusammen. Das Gebäude ist nicht mehr akut einsturzgefährdet, die Ermittler können jetzt endlich das Haus betreten, um nach der Brandursache zu suchen. Nach der Antwort auf die Frage, ob es sich um ein Unglück handelte, einen technischen Defekt, oder einen Anschlag.

Unterstützt werden sie von vier türkischen Ermittlern, die bereits in Ludwigshafen eingetroffen sind. Ein siebenjähriges türkisches Mädchen hatte berichtet, sie habe am Tag des Brandes einen Mann im Treppenhaus gesehen, der einen Kinderwagen angezündet habe. Die Polizei hat sie vernommen, überlegt ein Phantombild anzufertigen. "Es wird nichts ausgeschlossen und in alle Richtungen ermittelt", sagen Polizei und Staatsanwaltschaft.

Die eine Richtung ist an der Wand des ausgebrannten Hauses zu besichtigen. "Hass" hat jemand dort hingesprüht, mit SS-Runen. Die Polizei sagt, das Graffiti sei schon vor dem Brand da gewesen. Das Haus am Danziger Platz hat eine Geschichte, vor 15 Jahren galt es als Treffpunkt Rechtsradikaler, vor zwei Jahren, als es schon von Türken bewohnt war, wurden zwei Brandsätze durch ein Fenster geworfen. Schaden entstand keiner, die Täter wurden nie gefasst.

Vor dem Haus stehen am Mittwoch Politiker und Leute von Vereinen, die nun versuchen zu verhindern, dass in Ludwigshafen ein neuer Brandherd entsteht. Martin Stadelmaier, der Chef der Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz sagt, es sei nicht gut für die Ermittlungsarbeit, "wenn die Dinge zu heiß anfasst werden" und die Boulevardpresse die Situation "befeuert". Stadelmaier ist sich wohl seiner Worte nicht bewusst. Es ist das übliche politische Vokabular, aber heute sicherlich der falsche Ort dafür.

Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte des Bundesregierung ist aus Berlin gekommen und der türkische Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu, zuständig für die Auslandstürken, ist aus Ankara angereist. Böhmer sagt, sie sei hier, um das "Leid zu teilen". Sie glaube, das Zusammenleben von Deutschen und Türken in Ludwigshafen sei allgemein gut. Das trage "auch in einer solch bitteren Situation".

Zumindest Zeichen gibt es dafür, dass dem so ist. Viele Bürger der Stadt haben sich in das Kondolenzbuch eingetragen, das im Foyer des Rathauses ausliegt, sie haben gespendet und den Hinterbliebenen der Katastrophe Wohnraum angeboten. Die Fußballer von Waldhof haben ein Benefizspiel angeboten, wie andere Vereine auch.

Maria Böhmer legt zusammen mit Yazicioglu einen Kranz für die Opfer nieder. Dann trennen sich die beiden wieder. Böhmer spricht in die Mikrofone der deutschen Journalisten, Yazicioglu steht vor den Kameras türkischer Fernsehsender, die live aus Ludwigshafen berichten. Jede Gruppe steht wieder für sich. Die Botschaft ist aber die gleiche. Yazicioglu sagt, es müsse nun Ruhe bewahrt und die Ermittlungsergebnisse abgewartet werden. Wenn dies gelänge, wäre das schon eine ganze Menge.

Quelle: www.sueddeutsche.de ... »
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