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24.07.2011 2105
Extremismus-Experte - "Die Anti-Islam-Szene in Deutschland wächst"

Anders B. nennt seine Taten "grausam, aber notwendig"
Zwar rufe niemand zur Gewalt auf, letztlich schütze das aber nicht vor einer solch verheerenden Einzeltat wie in Norwegen, sagt Extremismus-Experte Florian Hartleb.

Welt Online: Der Attentäter von Norwegen sieht sich als Teil einer europaweiten Bewegung und sieht große Umwälzungen in Westeuropa, eine im Rekordtempo wachsende konservative Bewegung, die gegen den Islam kämpft. Gibt es diese Entwicklung tatsächlich?

Florian Hartleb: Bei der Selbststilisierung eines terroristischen Einzeltäters muss man sehr vorsichtig sein. Vieles ist da auch im stillen Kämmerlein ersponnen. Er hat sich ja gerade nicht das Leben genommen, weil er Propaganda betreiben will. Er selbst spricht von der „größten Propagandaschlacht seit dem Zweiten Weltkrieg“, die nun beginne. Er will missionarisch wirken.

Welt Online: Kann man den Täter überhaupt als rechtsextrem bezeichnen?

Hartleb: Ich wäre da vorsichtig. Die Bezeichnung rechtsextrem ist meines Erachtens zu eindimensional. Seine Ideologie ist hochkomplex. Letztlich ist jeder Terrorist ein Irrer, völlig wirr argumentiert Anders B. aber nicht. Er will keinen totalitären Staat haben, er will ein Europa frei von Kulturmarxismus und Islam. Er warnt vor einer kulturellen Unterwanderung Europas, insofern argumentiert er rechtsaußen, ähnlich wie die rechtskonservative Szene in Deutschland. Er spricht vom „Europa nach 1945“ - indirekt bezieht er sich damit auf das Vermächtnis der 68er Bewegung. 1968 ist in seinem You-Tube-Video als Ziffer zu sehen. Das linke Gedankengut habe zum Multikulturalismus geführt, der den Tod Europas bedeute.

Welt Online: Sieht sich der Täter selbst als Kreuzritter?

Hartleb: Der Täter wünscht sich das Idealbild des Mittelalters zurück. Letztlich hat er sich selbst als Kreuzritter gesehen und als solcher 93 Menschen hingerichtet. Er war ja offensichtlich auch ein Waffenfreak. Das Komische ist letztlich, dass er keine islamischen Jugendlichen getötet hat, sondern Anhänger der linken Regierungspartei, also norwegische Jugendliche, die er angeblich ja vor den islamischen Unterwanderern schützen wollte.

Welt Online: Stimmt es denn, dass es europaweit eine wachsende anti-islamische Bewegung gibt?

Hartleb: Ja, definitiv, auch wenn diese Bewegungen ganz unterschiedlicher Art sind. Die rechtspopulistischen Parteien haben stark zugenommen. Der Erfolg von Geert Wilders in den Niederlanden etwa beruht auf seiner Aussage, der Islam sei eine faschistische Ideologie. Dem Täter war Anti-Islam-Kritik in der norwegischen rechtspopulistischen Partei FrP zu schwach ausgeprägt, deshalb ist er ausgetreten.

Welt Online: Gibt es auch in Deutschland wachsenden Anti-Islamismus?

Hartleb: Ja. Schauen Sie sich etwa die Pro-Köln-Bewegung an. Natürlich rufen die aber nicht zu Gewalt auf. Aber das schützt uns nicht vor solchen Einzeltätern. Schließlich war Norwegen bislang auch nicht durch ausgeprägte rechtsextreme Bewegungen aufgefallen und Migranten galten als gut integriert. Das ist das Irrationale an der Sache. Aber wir haben die anti-islamische Szene meiner Einschätzung nach gut im Visier.

Welt Online: Gibt es eine vergleichbare Tat, aus der man Parallelen ziehen kann?

Hartleb: Dieser terroristische Akt sucht seinesgleichen. Es ist der größte rechtsterroristische Anschlag seit dem Oktoberfestattentat 1980 in München, bei dem 13 Menschen starben. Mitte der 90er-Jahre gab es den Attentäter Franz Fuchs, der sich auf eine Bajuwarische Befreiungsarmee berief und Briefbomben verschickte, unter anderem an den Wiener Oberbürgermeister, der seine Hand verlor, und an die Moderatorin Arabella Kiesbauer. Das Tätermuster ist vielleicht am ehesten vergleichbar. Beide Täter strebten stark nach Aufmerksamkeit und wollten Propaganda betreiben.

Prof. Florian Hartleb ist Politologe und Extremismus-Experte und forscht derzeit am Centre for European Studies in Brüssel.

Quelle: www.welt.de ... »

22.07.2011 2104
Gut und günstig - Tausende Deutsche verlegen Alterssitz in die Türkei

Leben in Istanbul: Rund 15.000 Deutsche haben ein Zweitdomizil in der Türkei. Foto: picture alliance
Ferienwohnungen in der Türkei sind bereits für unter 50.000 Euro zu haben. Vor allem Deutsche kaufen sich einen Alterssitz an der Riviera.

Antiochos der Große, König des Seleukidenreichs, biss sich vor gut 2200 Jahren an ihren Mauern die Zähne aus. Eine Erfahrung, die nach ihm noch viele andere Eroberer machen sollten. Heute gibt sich Alanya nicht mehr wehrhaft gegenüber Fremden.

Im Gegenteil: Ausländer sind im renommierten Badeort an der türkischen Riviera so willkommen, dass inzwischen mehr als 15.000 Deutsche ihren Altersruhesitz in die Provinzhauptstadt verlegt haben.

Noch einmal so viele Bundesbürger haben sich ein Zweitdomizil in Alanya zugelegt – ebenso wie zehntausende Briten, Niederländer, Österreicher, Polen und Russen. Rund jeder Dritte der 248.286 Einwohner des Kreises besitzt keinen türkischen Pass. Umso bunter ist die lokale Presselandschaft. Allein drei deutschsprachige Wochenzeitungen werden in Stadt und Umland verteilt. Hinzu kommen etliche Blätter in englischer, niederländischer und russischer Sprache.

Was die Menschen dazu verleitet, sich einen Zweitwohnsitz in diesem und anderen türkischen Urlaubsorten wie Bodrum, Didim, Kas, Fethiye und Kemer zuzulegen, ist zum einen das überwiegend gute Wetter in der Region. Im Sommer steigen die Quecksilbersäulen der Thermometer an der türkischen Mittelmeerküste zwar über die Marke von 30 Grad.
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Es ist jedoch selten schwül. In den Wintermonaten sind es dann immer noch angenehme 18 bis 20 Grad. „Zum anderen sind die Lebenshaltungskosten 30 bis 40 Prozent niedriger als in Westeuropa – und Immobilien sind noch günstig“, erläutert Julian Walker vom britischen Maklerhaus Spot Blue, das auf Immobilien am Mittelmeer spezialisiert ist.

Dies bestätigt auch Seyhan Arabaci, die Geschäftsführerin von Al-Active Immobilien in Alanya: „Kleine Wohnungen gibt es hier ab 45.000 Euro, luxuriöse Apartments ab 66.000 Euro.“

In Bodrum liegen die Preise zum Teil schon deutlich höher. „Neue hochwertige Einfamilienhäuser und sogar Villen werden hier aber auch noch zu Preisen von nur 2000 Euro pro Quadratmeter angeboten“, sagt Heike Tanbay, geschäftsführende Gesellschafterin bei Engel & Völkers in der an antiken und mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten reichen Stadt an der türkischen Ägäisküste.

„Zwar war die Nachfrage nach Zweitwohn- und Altersruhesitzen in der Türkei nach Ausbruch der Finanzkrise kurzfristig zurückgegangen“, sagt Maklerin Tanbay. Seit Anfang vergangenen Jahres brummt der Markt jedoch wieder. „2010 kamen 20 Prozent mehr Touristen in die Türkei als im Vorjahr“, sagt Spot Blue-Experte Walker. „Die Zahl der Kaufinteressenten ist in noch stärkerem Umfang gestiegen.“

Projektentwickler haben inzwischen im großen Stil begonnen, neue Quartiere für ausländische Käufer zu errichten. Selbst Stararchitekten wie der Amerikaner Richard Meier sind dabei. Mit dem US-Investor Nicolas Berggruen lässt Meier 21 Luxusvillen bei Bodrum errichten.

Andere Investoren schaffen neue Ressorts, Yachthäfen und Golfplätze. „Viele internationale Investmentfonds haben Toplagen am Meer erworben und errichten darauf nun luxuriöse Wohnanlagen“, sagt Tanbay. Das bleibe nicht ohne Folgen für die Immobilienpreise, schildert die Maklerin: „Objekte in bevorzugten bis sehr guten Lagen mit direktem Zugang zum Meer werden inzwischen für bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter gehandelt.“

Trotz der neuen Luxusdomizile bietet der türkische Markt auch weiterhin, was die meisten Ferienimmobilienkäufer bislang im Land gesucht haben: „Objekte in guter Lage und ebensolcher Qualität zu attraktiven Preisen“, sagt Michael Reilly, Geschäftsführer beim britischen Maklerhaus Overseas Property.

Allerdings sind solche Häuser eher in Orten zu finden, die touristisch gerade erst entwickelt werden. „Ein Beispiel dafür ist Didim“, sagt Reilly. Die Kreisstadt an der Ägäisküste, 200 Kilometer südlich von Izmir, war bis vor wenigen Jahren vor allem Historikern ein Begriff. Die Reste des antiken Apollontempels zählen zu den am besten erhaltenen Großbauten aus dem Altertum.

Seit einigen Jahren ist die 40.000-Einwohnerstadt zugleich einer der am schnellsten wachsenden Tourismusorte der Türkei. Die Cafés, Restaurants und Marktplätze der Stadt bieten noch den Charme traditionellen türkischen Landlebens. Zugleich werden neue Hotels, Einkaufszentren – und Ferienimmobiliensiedlungen errichtet.

„In Didim sind die Preise noch niedrig“, sagt der deutsche Makler Ernst-Erich Klöckner von Mercurius Immobilien im Badeort. In seiner Liste finden sich freistehende Villen mit Meerblick und Swimmingpool für weniger als 100.000 Euro. Ferienwohnungen mit mehr als 100 Quadratmeter Wohnfläche kosten weniger als 65.000 Euro, Zwei-Zimmer-Apartments nur 23.000 Euro.

Grundsätzlich ist es für Deutsche und Österreicher kein Problem, eine Immobilie in der Türkei zu erstehen. Allerdings muss jeder Grunderwerb durch einen Ausländer der jeweils zuständigen Militärbehörde gemeldet und von ihr genehmigt werden. Ein Prozedere, das bis zu acht Wochen dauern kann. Die Anmeldung sowie die anschließende Übertragung der Eigentumsrechte im Grundbuch nehmen in der Türkei die Makler vor. Zuvor wird ein Kaufvorvertrag geschlossen, in dem sich der Verkäufer verpflichtet, die Immobilie für den Interessenten zu reservieren.

Gleichzeitig verpflichtet sich der Käufer, das Objekt zu nehmen, wenn die Genehmigung durch die Militärbehörde erteilt wird. „Üblicherweise ist dabei eine Anzahlung von 5000 Euro fällig“, sagt Klöckner. Die Nebenerwerbskosten fallen deutlich geringer aus als in Deutschland. Die Grunderwerbssteuer beträgt 3,5 Prozent. Die Maklergebühr von insgesamt sechs Prozent teilen sich Käufer und Verkäufer je zur Hälfte.

Hinzu kommen rund 2000 Euro an Gebühren für die Kaufgenehmigung durch die Militärbehörde, die Grundbucheintrag und die Prüfung der Eigentumsverhältnisse und des Kaufvertrags durch einen Anwalt. Die jährliche Grundsteuer beträgt ein Prozent des Immobilienwerts.

Quelle: www.welt.de ... »

22.07.2011 2103
Süddeutsche Zeitung: ''Kýbrýs,Türkiye karþýtlarýnýn, Ankara'yý AB'den uzak tutmak için kullandýklarý elveriþli bir bahane."

Baþbakan Recep Tayyip Erdoðan'ýn, 'Rumlar AB Dönem Baþkanlýðý'ný tek baþlarýna üstlenirse, AB ile iliþkiler donar' açýklamasý Alman medyasýnda geniþ yer bulmaya devam ediyor.

Açýklamayý 'kýrýlma noktasý' olarak gösteren Süddeutsche Zeitung, AB'nin geçtiðimiz on yýlda yaptýðý en büyük hatalardan birinin 2004 yýlýnda sadece Rum kesimini üyeliðe kabul etmek olduðuna dikkat çekti. Gazete, "Bu da AB ve NATO'nun o zamandan þimdiye dek birçok cephede izlediði politikayý zehirledi; bilhassa da Türkiye ile olan iliþkileri." yorumunu yaptý.

Ankara ve Brüksel'in, AB'ye üyelik konusunda ne kadar ciddi olduðunu sorgulayan gazete, "Kýbrýs konusundaki tartýþma, týpký boksörlerin ayna karþýsýnda bir rakipleri olduðunu varsayarak boks antrenmaný yapmasýndan baþka bir þey deðil. Yani Kýbrýs, Türkiye karþýtlarýnýn, Ankara'yý AB'den uzak tutmak için kullandýklarý elveriþli bir bahane." ifadelerini kullandý.

Kaynak: www.abhaber.com ... »

19.07.2011 2102
AB Türklere Vizede Direniyor

Avrupa Adalet Divaný, 19 Þubat 2009 tarihinde aldýðý ve uzmanlarýn tarihi olarak tanýmladýðý bir kararla iþ için Avrupa'ya gidecek Türklerden vize istenemeyeceðine hükmetti. Divan, Katma Protokol’ün yürürlüðe girdiði tarih olan 1 Mart 1973’te Türk vatandaþlarýna vize uygulamayan ülkelerin, o tarihten sonra da Türk vatandaþlarýna vize uygulamasý getiremeyeceðini belirtti. 27 AB üyesini baðlayan Avrupa Adalet Divaný’nýn görüþüne raðmen uygulamada geride kalan iki yýlda deðiþiklik olmadý, vize konusu Türkiye ile AB ülkeleri arasýnda, örneðin Baþbakan Erdoðan’ýn Alman Baþbakaný Merkel’le buluþmalarýnýn en önemli konularýndan biri haline getirdi. Bu arada geride kalan Þubat ayýnda da Almanya’nýn Münih Ýdari Mahkemesi, Türkler'in turist vizesinden de muaf olduðuna ve hem hizmet alýmý hem de hizmet verimi için vizesiz Almanya’ya girebileceðine ve üç aya kadar Almanya’da kalabileceðine karar verdi. Türkiye'nin AB'ye üyelik süreci ve vize iliþkisi konusunda en önemli uzmanlardan biri olan Akdeniz Üniversitesi Öðretim Üyesi ve Vizesiz Avrupa Araþtýrma Grubu Baþkaný Profesör Harun Gümrükçü, vize konusunda kazanýlmýþ toplam altý mahkeme kararý olmasýna raðmen, AB ülkelerinin bu konuda direnmelerine tepki gösterilmesi gerektiðini belirtiyor.

Vize sorununun çözülmesinin Türkiye’nin Avrupa Birliði’ne üyelik sürecini çok hýzlandýracaðýný savunan Gümrükçü bu konuya bu açýdan da sahip çýkýlmasý gerektiðini vurguluyor.

Yeni kurulan AKP hükümetinin vize konusunu siyasallaþtýrmaktan kaçýnmasýnýn daha iyi olacaðýný öne süren Harun Gümrükçü hükümetin alýnan kararlarýn uygulanmasýný istemesinin yeterli olacaðýný belirtiyor.

Bu arada son olarak Federal Alman Meclisi Bilim Kurulu, Türklere yönelik vize uygulamasýnýn Avrupa hukukuna aykýrý olduðunu bildirdi. Raporda, sadece hizmet amaçlý deðil, turist olarak Almanya’ya gelecek Türklerden de vize istenemeyeceðini dile getirdi.

Kaynak: www.abhaber.com ... »

15.07.2011 2101
Die Türkei braucht echte Beitrittsperspektiven

Würde die am stärksten verwestlichte, modernste, demokratischste Republik in der islamischen Welt durch anti-europäische Ressentiments beeinträchtigt, kann nichts Gutes für den Rest der Welt dabei herauskommen.
Viele Europäer sind gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Das Engagement der EU im Nahen Osten wirkt ohne sie immer noch wie westlicher Imperialismus. Foto: picture-alliance/ dpa/MAXPPP/MAXPPP

Die meisten europäischen Bürger (beispielsweise über 60% in Frankreich und Deutschland) sind der Meinung, dass die Türkei nicht Teil der Europäischen Union werden soll. Es gibt verschiedene Gründe für diesen Widerstand – einige davon berechtigt, einige basierend auf Vorurteilen: Die Türkei ist zu groß; türkische Arbeitsmigranten könnten andere Mitgliedsländer überschwemmen; die Menschenrechtssituation in der Türkei ist heikel; die Türkei unterdrückt die Kurden; die Türkei hat ihre Probleme mit Griechenland in der Zypern-Frage nicht geklärt.

Der Hauptgrund ist jedoch sicherlich, dass die Türkei, ein überwiegend muslimisches Land, das von einer muslimischen Partei regiert wird, als zu fremdländisch angesehen wird. Der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing, einer der Autoren der EU-Verfassung, formulierte es so: „Die Türkei ist kein europäisches Land.“

Wer braucht schon Europa?

Für Mitglieder der säkularen, verwestlichten türkischen Elite, die Jahrzehnte, wenn nicht länger, versucht hat, ihre europäischen Referenzen zu beweisen ist das schwer zu ertragen. Ein hochgebildeter Türke, der für eine internationale Organisation tätig ist, hat sich neulich mir gegenüber so ausgedrückt: „Wir spielen Fußball mit ihnen, singen Lieder mit ihnen im Fernsehen, machen Geschäfte mit ihnen, haben unsere Menschenrechte verbessert und unsere Politik demokratisiert. Wir tun alles, wozu sie uns auffordern und sie wollen uns trotzdem nicht.“
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Stimmt, sagte eine Türkin in unserer Hörweite, die fließend Englisch spricht, viel Zeit in London verbracht hat, für NGOs gearbeitet hat, die sich für die Förderung der Menschenrechte einsetzen und in den 1980er-Jahren inhaftiert wurde, weil er sich dem Militärregime widersetzt hatte: „Ich hasse Europa. Ich bin keine Europäerin und wer braucht schon Europa?“

Mehr und mehr Europäer sind von der Union enttäuscht

Gute Frage. Während die Krise in Griechenland die Eurozone auf eine Belastungsprobe stellt, boomt die türkische Wirtschaft. Gewiss ist „Europa“ über viele Jahre ein Symbol gewesen, nicht nur für Wohlstand, sondern auch für liberale Politik, offene Gesellschaften und Menschenrechte.

Und die türkische Gesellschaft hat in hohem Maße von ihren – noch nicht perfekten, noch nicht abgeschlossenen – Bestrebungen profitiert, europäischen Standards gerecht zu werden. Allerdings sind mehr und mehr Europäer von der Union enttäuscht.

Weit davon entfernt eine vorbildliche Demokratie zu sein, wird die EU mit einer arroganten, abgehobenen Bürokratie in Verbindung gebracht, die unter bevormundender und herablassender Missachtung der Bürger Regeln und Verordnungen erlässt. Und einige ihrer neuen Mitglieder – so etwa Rumänien, Bulgarien und Ungarn – sind nicht gerade Paradebeispiele für offene liberale Demokratie.

Aufnahme in die EU als Rettungsleine gegen islamische Strömungen

Wenn also noch nicht einmal Europäer an ihre eigene Union glauben, warum sollte die Türkei dann beitreten wollen? Eigentlich würde die Frau, die ihren Hass auf Europa beteuert hat, die Türkei trotzdem gern in der EU sehen. Ihre Gehässigkeit war die einer verschmähten Geliebten.

Mitglieder der säkularen pro-europäischen Elite der Türkei, die fast durchgehend regieren seit Kemal Atatürk die Republik 1923 gegründet hat, stehen jetzt von zwei Seiten unter Druck. Zum einen sperrt sich die EU, zum anderen werden sie von einer neuen Elite, die provinzieller, religiöser und weniger liberal, aber nicht unbedingt weniger demokratisch ist, aus ihren privilegierten Positionen gedrängt – eine Gruppe, die der ausgesprochen beliebte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan personifiziert.

Für diese verwestlichten Türken stellt die Aufnahme durch die EU eine Rettungsleine in den Strömungen des islamischen Populismus dar, den Erdogan repräsentiert. Und sie brauchen Ermutigung, denn Erdogans Islamisten mögen demokratisch sein, doch die Säkularisten sind, alles in allem, liberaler.

Die Angst vor der Türkei ist überzogen

Die alte privilegierte Elite ist jedoch nicht die einzige Gruppierung in der Türkei, die davon profitieren kann Teil Europas zu sein. Minderheiten ergeht es gut in Imperien, insbesondere in wohlwollenden Imperien. Wie die Katalanen oder die Schotten, sind die Kurden in der Türkei für eine Mitgliedschaft in der EU, weil sie ihnen eine Zuflucht vor der Mehrheit im eigenen Lande bietet.

Mit gewissem Recht machen sich die Europäer Sorgen über die bloße Größe der Türkei und ihrer Bevölkerung. Diese Angst ist allerdings vermutlich überzogen. Jetzt, wo die türkische Wirtschaft floriert, werden arme Türken weniger Anlass haben in anderen Ländern Arbeit zu suchen, geschweige denn diese zu „überschwemmen“.

Und wenn die immens erweiterte Mitgliedschaft der EU einem zukünftigen föderalistischen Gesamtstaat im Wege stehen sollte, wäre das vielleicht gar nicht so schlecht. Eine Erweiterung um die Türkei würde jedenfalls kaum den entscheidenden Unterschied machen.

Die Türkei kann Spannungen in der Region entschärfen

Aus der Perspektive der westlich orientierten Türken ist der Stolz auf eine europäische Mitgliedschaft vielleicht weniger wichtig als der Schmerz der Zurückweisung. Das Gleiche gilt jedoch für die Europäer.

Wenn die am stärksten verwestlichte, modernste, demokratischste Republik in der islamischen Welt durch anti-europäische Ressentiments beeinträchtigt würde, kann nichts Gutes für den Westen – oder vielmehr für den Rest der Welt – dabei herauskommen.

Die Türkei ist in einer guten Position, andere muslimische Länder auf einen liberaleren und demokratischeren Weg zu führen. Zudem würde eine echte Beitrittsperspektive die Türkei in eine bessere Lage versetzen, tatsächliche und potenzielle Spannungen zwischen Europa und dem Nahen Osten zu entschärfen. Ohne die Türkei wirkt das Engagement der EU im Nahen Osten immer noch wie westlicher Imperialismus.

Außerdem würde die Aussicht einer EU-Mitgliedschaft für die Türkei auch mit der überholten Vorstellung aufräumen, dass Europa für Christenheit steht. Christliche Religionen haben sicherlich dazu beigetragen, die europäische Zivilisation zu gestalten. Aber nicht alle europäischen Bürger sind praktizierende Christen. Viele sind überhaupt keine Christen.

Die Mehrheit hat nicht immer Recht

Wenn es einer großen Demokratie mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung möglich ist der EU beizutreten, wird es auch einfacher werden französische, britische, niederländische oder deutsche Muslime als europäische Mitbürger zu akzeptieren.

Diejenigen, die glauben, dass gemeinsame Interessen und liberale Institutionen die EU definieren sollten, würden durch diese Aufnahme gewinnen. Diejenigen, die eine europäische Identität basierend auf Kultur und Glauben anstreben, werden sich dagegen wehren.

In diesen Zeiten der Wirtschaftskrise, des zunehmenden Nationalismus und des nach innen gerichteten Populismus bestehen leider, gelinde gesagt, kaum Aussichten für ein muslimisches Land Mitglied der EU zu werden. Ein solcher Prozess kann den Menschen nicht aufgezwungen werden.

Gegen den Willen der meisten europäischen Bürger darauf zu bestehen, hätte genau die Art von Beigeschmack nach undemokratischer Bevormundung, die ohnehin schon viele Europäer gegen die EU aufgebracht hat.

Aber die Mehrheit hat nicht immer Recht. Und die Zeiten können sich ändern. Andererseits werden wir vielleicht noch bereuen, dass sich die Zeiten nicht schnell genug geändert haben.

Ian Buruma ist Professor für Demokratie und Menschenrechte am Bard College. Zuletzt ist als Buch von ihm erschienen: Taming the Gods: Religion and Democracy on Three Continents.

Quelle: www.welt.de ... »
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